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Für die folgenden 200km bis Inebolu brauchen wir keinen 5. Gang. Entweder geht’s steil bergauf oder steil bergab!Oder, um es genauer zu beschreiben: In Küstennähe in Serpentinen auf einen Berg, in Serpentinen wieder runter (Straßentyp: schmal, holperig), im Tal dann ein Dorf und eine Brücke über einen Fluss. Dann wieder in Serpentinen auf einen Berg, in Serpentinen wieder runter, im Tal ein Dorf, ein Fluss, eine Brücke. Dann wieder in Serpentinen..... . Wir zählen die Dörfer, Flüsse und Brücken nicht, aber es gibt jede Menge davon! In Inebolu treffen wir Brunhild und Harald, die sich mit ihrem wüstentauglichen Bremach-Allrad 3,5 Tonner mit Dust-Devil Aufbau gerade auf dem Rückweg von Ägypten nach Deutschland befinden. Die beiden junggebliebenen Tierärzte im Ruhestand haben schon fast alle Teile der Welt bereist. Noch von ihrem Hinweg im Winter kennen sie einen ruhigen Standplatz in der Nähe der Stadt, ein kleines, baumbestandenes Plateau unterhalb der Küstenstraße. Nachdem wir noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft haben (Kekse und Raki), treffen wir uns dort mit ihnen. Im Verlauf des schönen Abends, den wir mit den sympathischen Oberallgäuern bei Wein, Raki und klassischer Musik verbringen, erzählen sie viele Geschichten von ihren reisen rund um die Welt (wir haben jede Menge Fotos von ihrem Fahrzeug gemacht, aber auf keinem davon sind Brunhild und Harald selber zu sehen. Ziemlich amateurhafte Leistung von uns!). In dieser Nacht gewittert und regnet es stark, so dass bei unserem Aufbruch die steile Auffahrt zur Strasse schlammig und aufgeweicht ist. Nur mit Geländeuntersetzung und eingelegter Differentialsperre schafft es Maggie, sich hin- und herrutschend den Weg nach oben zu bahnen! Brunhild und Harald haben mit ihrem erheblich leichteren Fahrzeug hierbei nicht so große Schwierigkeiten. Wir verabschieden uns von den beiden und fahren weiter an der Küste Richtung Osten. Die folgenden tage sind nicht besonders erbaulich, es regnet häufig, akzeptable Standplätze für die Nacht sind nicht zu finden. Der Regen offenbart uns auch, dass  es noch einige undichte Stellen am Fahrzeug gibt, die wir natürlich umgehend abdichten, um Maggie nicht in ein Aquarium zu verwandeln. Die alte Küstenstrasse verläuft,  wenn sie nicht gerade durch eine der vielen, engbebauten Ortschaften führt, direkt entlang des Meeres, die Trassen der im Bau befindlichen neuen Schnellstrasse direkt daneben. Die vielgerühmte Schönheit der türkischen Schwarzmeerküste bleibt uns verborgen. Unser einzig schönes Erlebnis haben wir in Ünye, einer Stadt mit 50.000 Einwohnern, die offensichtlich viel Geld in ein ansprechendes Erscheinungsbild investiert hat. Angekommen auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, werden wir freundlich von  einem vorbeikommenden Rechtsanwalt begrüsst, der uns umgehend einem Journalisten an die Hand gibt, der uns helfen soll, unsere Besorgungen zu machen. Ali ist Reporter, Fotograf und Layouter des wöchentlich erscheinenden Ünye-Stadtmagazins in einer Person. Zuerst führt er uns in das Touristen-Informationsbüro. Es gibt Tee und Infomaterial über die Stadt. Danach besichtigen wir ein historisches Hamam (Türkisches Bad), besuchen das örtliche Internet-Cafe, in dem wir die aufgelaufenen Text- und Bilddateien nach Deutschland mailen, eine Ausstellung mit handwerklichen Arbeiten von jungen Schülern der Stadt (wir dürfen uns in das offizielle Besucherbuch eintragen) und zuletzt die türkische Staatsbank, in der wir mit Alis Hilfe zügig Euro in Lira umtauschen können (in diesem Moment sind wir wider Milliardäre, die Inflationsrate der Türkei liegt zur Zeit bei über 60%, für einen Euro bekommen wir 1.300.000 Lira). Bei all diesen Unternehmungen werden wir ständig von Ali fotografiert, was uns vermuten lässt, dass unser Besuch zum Aufmacher der nächsten Ausgabe des Ünye-Stadtmagazins wird. In Trabzon (also inzwischen mehr  als 1100km von Istanbul entfernt) geben wir unsere Schwarzmeerreise auf und versuchen, mit einer (der laut Beadeker-Reiseführer ganzjährig fahrenden) Fähre zurück nach Istanbul zu gelangen, um nicht den gleichen, unerfreulichen Weg wider zurückfahren zu müssen. Der Polizeibeamte am Hafeneingang lacht; Die erste Fähre nach Istanbul legt dieses Jahr am 2.Juli ab, also erst in 4 Wochen. Soviel zum Thema „Genauigkeit von Reiseführern“! Aber es gibt noch eine Alternative: Man überquert das küstennahe Pontische Gebirge in Richtung Inneranatolien und trifft nach knapp 200km auf die E80, die im Inland nach Istanbul führt. Gesagt, getan! Von Küsten haben wir im Moment die Nase voll, also geht’s ab in die Berge. Schon nach zwei  Stunden Fahrt durch imposante Schluchten, entlang rauschender Gebirgsflüsse, haben wir die Baumgrenze überschritten und stoßen auf erste Schneefelder. Es wird kalt und Windböen schütteln uns durch, die Gebirgslandschaft jedoch ist atemberaubend!Sanfte, wellige Hügel wechseln sich ab mit steil aufragenden Gipfeln. Die Passhöhe auf 2300m wählen wir als Rastplatz für die Nacht, eine Hochlandschafherde zieht vorbei, idyllischer kann es eigentlich nicht sein. Am nächsten Mittag  erreichen wir die E80 und legen in den drei folgenden Tagen die knapp 1000km bis Istanbul zurück. Es geht durch die grossen Reisanbaugebiete um Amasya, die üppige Vegetation der fruchtbaren Täler zwischen Tosya und Gerede. Für die letzte Nacht finden wir einen Rastplatz in  Sichtweite einer Jandarma-Kaserne (die Jandarma ist eine Art Militärpolizei, die überall im Land jederzeit schwerbewaffnet anzutreffen ist, für die Einhaltung der „inneren Ordnung“ sorgt und ständige Strassenkontrollen durchführt). In ihrer Nähe fühlen wir uns sicher. Die Jandarma sich in unserer offensichtlich nicht! Nachdem man sich eine halbe Stunde beraten hat, wird eine Abordnung ausgeschickt, die uns freundlich, aber unmissverständlich erklärt, dass wir verschwinden sollen (sie sprechen leider keine Fremdsprache, das erstickt jede Diskussion im Keim, obwohl sich unsere Türkisch-Kenntnisse inzwischen gebessert haben, aber nur für das lebensnotwendige ausreichen). Da wir keine nähere Bekanntschaft mit ihrer Amtsgewalt machen möchten, räumen wir das Feld. Wir erreichen die Istanbuler Innenstadt am Sonntagmittag, treffen unseren Freund Ayhan und erzählen ihm von unserer verregneten Schwarzmeerfahrt. Aber er hatte uns ja vorgewarnt, an der Schwarzmeerküste regnet es auch in den Sommermonaten fast jeden zweiten Tag. Am nächsten Morgen führt uns unser erster Weg zur iranischen Botschaft, um nachzufragen, ob unser Visumantrag erfolgreich war. Im März hatten wir von einem in Berlin ansässigen professionellen Visa-Beschaffungsdienst erfahren, dass die Aussicht, als Individualreisender mit eigenem Fahrzeug ein Touristenvisum zu erhalten, gleich Null sei. In den vergangenen Jahren hatte das Berliner Unternehmen nur drei Antragstellern erfolgreich helfen können. Eine reelle Chance sei nur gegeben, wenn man einer größeren Reisegruppe angehört, oder eine direkte Einladung eines iranischen Staatsbürgers vorweisen kann. Ich weiss nicht, ob unsere Begründung für den Wunsch eines längerfristigen Aufenthaltes ausschlaggebend war (im Antragsformular hatten wir vermerkt, dass wir einen Internet-Travellers-Guide verfassen), aber anstandslos wird das genehmigte Visum  mit einmonatiger Aufenthaltsberechtigung in unseren Pässen eingetragen, die wir dann am Nachmittag wieder abholen können. Die Wartezeit nutzen wir für einen Besuch in einem kleinen Internet-Cafe (schön gelegen im siebten Stockwerk eines Mietshauses mit phantastischem Ausblick auf die Blaue Moschee und den Bosporus), um neue Berichte und Fotos nach Deutschland zu mailen. Die Datenübertragungs-Geschwindigkeit ist extrem langsam, wir brauchen fast zwei Stunden, um alles abzuschicken und stellen zu allem Überfluss fest, dass der Metalldetektor des Sicherheitsbeamten der iranischen Botschaft ein Drittel der Dateien auf unserer Floppy-Disk zerstört hat. Inshallah! Dem Besuch der indischen Botschaft am Dienstag sehen wir mit sehr gemischten Gefühlen entgegen, mussten wir doch aus der Zeitung erfahren, dass der Konflikt zwischen Pakistan und Indien in den letzten Tagen so eskaliert war, dass man eine kriegerische Auseinandersetzung, unter Umständen auch mit Nuklearwaffen, für mehr als wahrscheinlich hält. Auch das deutsche auswärtige Amt warnt auf seiner Homepage eindringlich vor Besuchen in Pakistan/Indien und bittet alle deutschen Staatsbürger, die sich nicht aus wirklich zwingenden Gründen in den beiden Staaten aufhalten, diese schnellstmöglich zu verlassen. Es soll in Pakistan wiederholt zu bewaffneten Übergriffen auf westliche Touristen gekommen sein. Klingt nicht besonders gut, schliesslich wollen wir nicht den Kriegsberichterstatter spielen! Doch wir haben uns scheinbar umsonst Sorgen gemacht. Fröhlich begrüsst man uns in der indischen Botschaft: „Good news! Good news! India and Pakistan are good friends again! The boarder will be open in a few days.” Das sind wirklich gute Nachrichten, obwohl wir bezweifeln, dass die beiden Staaten wirklich wieder befreundet sind, schlieslich ist das Kashmir-Problem immer noch nicht zufriedenstellend gelöst, aber anscheinend haben ausländische Vermittlungsversuche zumindest dazu geführt, dass sich die Gefahr eines ausbrechenden Krieges stark verringert hat und der für uns so wichtige einzige Grenzübergang wieder geöffnet wird. Am nächsten Tag sollen wir erneut in der Botschaft erscheinen, um unsere Pässe mit eingetragenem Visum wieder in Empfang zu nehmen. Den Nachmittag  verbringen wir mit Ayhan im Trubel der Istanbuler Innenstadt. Übrigens, unter uns Chauvis, seit meinem Kopenhagen-Aufenthalt im vergangenen Jahr habe ich immer behauptet, dass es dort die schönsten Frauen gibt. Streiche Kopenhagen, setze Istanbul! Und so viele! Überall, wo man hinschaut! Das dazu. Nachdem wir mit den bewährten Verkehrsmitteln Taxi und Fähre wieder bei Maggie angekommen sind, spielen wir mit Ayhans 13-jährigem Sohn Sinan (der uns inzwischen sehr ins Herz geschlossen hat) und seinen Freunden eine Runde Fussball (eine der Hauptfreizeitbeschäftigungen der Istanbuler Jugendlichen). Der Bursche ist hart im Nehmen, auch ein rüdes Foul mit Schrammen und Abschürfungen kann ihn nicht vom Weiterspielen abhalten! Bevor wir am nächsten Tag unsere Pässe in der indischen Botschaft abholen, besuchen wir noch einmal das „Schweizer Krankenhaus“. Vor vier Wochen, in Griechenland, hatte sich an meinem linken Ellbogen eine starke Schwellung gebildet, die ich auf mehrere Insektenbisse direkt daneben zurückgeführt hatte. Die Schwellung wurde zwar in den folgenden Tagen kleiner, verschwand jedoch nicht ganz und ich bemerke bei Belastung des Gelenkes noch einen dumpfen Schmerz, der in den Ober- und Unterarm ausstrahlt. Als barzahlender Privatpatient wird man in diesem Krankenhaus natürlich ohne Wartezeit behandelt! Der türkische Arzt, gleichzeitig Dozent für Medizin, erklärt mir (natürlich gedolmetscht von Ayhan), dass es sich um einen eingekapselten Entzündungsherd handelt, der mittels einer 45-minütigen Operation herausgeholt werden könne. Ein hinzugezogener, sehr gut deutsch-sprechender Chirurg stellt dieselbe Diagnose. Da der Arm nach dem Eingriff jedoch zehn Tage stillgelegt werden soll, bitte ich um eine Behandlung mit Antibiotika. Nach Meinung der beiden Ärzte kann die Entzündung so zwar eingedämmt, aber nicht ganz bereinigt werden. Sie halten die Operation, die übrigens 250 Euro kosten soll, für unumgänglich. Ich möchte jedoch in den kommenden Wochen beobachten, wie der Heilungsprozess ohne Eingriff verläuft und kann mich, wenn keine nennenswerte Besserung eintritt, auch in einer der guten Teheraner Kliniken operieren lass, was mir auch von den beiden türkischen Ärzten versichert wird. Nachdem wir am Nachmittag unsere Pässe in der indischen Botschaft ausgehändigt bekommen und Marcus sich noch von einem Ayhan bekannten Schneider  für wenig Geld ein neues wattiertes Futter in seine Lieblingslederjacke einnähen lassen hat, ist somit alles, was unseren zweiten Istanbulaufenthalt notwendig gemacht hat, erledigt. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns nun endgültig von Ayhan, der uns inzwischen zu einem sehr guten Freund geworden ist und zu den wichtigsten Personen zählt, die wir auf unserer Reise kennenlernen, nehmen ihm noch das Versprechen ab, uns nach unsere Ankunft in Neuseeland zu besuchen und brechen auf Richtung Mittelmeer. Bevor ich davon erzähle, hier erst noch unser  

Istanbul Spezial und Tips

Versucht nicht und niemals, mit eurem Fahrzeug in die <Kernstadt vorzudringen (wir haben es getan und „Allah Korosum!“)! Mit einem PKW, wenn man fahren kann wie ein Mailänder (liegt in Italien, und die können wirklich schlimm autofahren) könnte es gelingen, vorrausgesetzt, man  hat sehr gute Federn und Stossdämpfer! Sucht euch einen Führer. Hier sind Adresse und Telefonnummer unseres Freundes Ayhan:  Ayhan Kaymaz – Hancioglu Cad.  No=86 Findikli – 0090 Maltepe/Istanbul – Tel.: 0543/4730899 (für Anrufe aus dem Inland, wenn ihr aus dem Ausland anruft, setzt bitte die Türkei-Vorwahl davor und streicht die führende Null der Istanbuler Vorwahl). Er hat uns versprochen, dass er allen interessierten Touristen (vorzugsweise Frauen zwischen 20 und 35 Jahren) ganz Istanbul zu Füssen legen wird, umsonst natürlich. Wir haben es uns trotzdem nicht nehmen  lassen, ihm ein gebührendes Gastgeschenk zu überreichen, 1. ist das so Sitte und 22. kam es von uns für ihn wirklich von Herzen, denn so einen phantastischen Menschen wird man selbst auf einer langen Reise nur selten treffen. Also, fahrt Bus, Fähre Taxi oder Sammeltaxi. Für den Ungeübten empfiehlt sich das Taxi, weil das Geheimnis, wann und wo ein Bus oder Sammeltaxi abfährt oder ankommt, für uns Westeuropäer immer ein Rätsel bleiben wird (besonders, wenn man kaum türkisch sprechen kann). Ein Taxi kostet im Moment eine Grundpauschale von 650.000 Lira (55 Cent) und für eine Fahrt von 25km haben wir 12.000.000 Lira bezahlt (ca. 9,50 Euro). Passt auf, das der Fahrer nicht die Nachtpauschale drückt, denn dann ist es gleich doppelt so teuer! Wenn ihr in Istanbul essen wollt, meidet die Hauptstrassen und geht zwei Nebenstrassen weiter. Hier findet ihr kleine Restaurants ohne Touristentrubel und es sollte euch nicht viel mehr als 4.000.000 Lira (ca. 3 Euro) pro Person mit Getränk kosten. Lasst euch immer erst die Speisekarte mit Preisen zeigen oder den Preis fürs Essen auf einen Zettel schreiben und bestellt dann. Ist beides nicht möglich, oder der Preis liegt höher als 4.000.000 Lira, steht auf und geht. Ansonsten werdet ihr abgezockt! Ihr werdet in Istanbul schnell feststellen,  dass jeder euer freund sein will. Das heißt, er möchte euch irgendwo hinzerren und etwas verkaufen. Ignoriert diese Leute, hört nicht hin und geht einfach weiter. Schaut euch die Sehenswürdigkeiten an (Moscheen, Basare ...). Doch wenn ihr etwas kaufen wollt ( zwei  Nebenstrassen weiter), dann versucht zu handeln! Von jemandem, der als Tourist erkannt wird, verlangen die Verkäufer schnall das 2-3 fache. Also, vermeidet offen getragene Kameras oder Rucksäcke. Kurze Hosen oder Minirock zeichnen euch ebenfalls sofort als potentielles Opfer aus! Dann also viel Spass in Istanbul! Für diejenigen, die das Land mit eigenem Fahrzeug bereisen wollen, noch einen besonderen Tipp: Tankt teures Benzin oder Diesel! Teilweise gibt es Tankstellen, die nur die Hälfte oder weniger als üblich für einen Liter verlangen. Fakt ist, dieser Billig-Diesel ist so verschmutzt, dass er euch in kürzester Zeit die Filter zusetzt. Was das heisst, brauchen wir keinem zu erklären, der schon einmal auf einer schmalen, kurvigen Bergstrasse ohne Randstreifen die Karre verreckt ist und der dann seine Filter säubern und en ganzen Mist auch noch entlüften musste! Billiges Benzin hat eine zu geringe Oktanzahl und ist ebenfalls verschmutzt (der Tod eines jeden modernen Benzin-Motors. So, das sind die Dinge, die wir gelernt haben und nun auch weiterhin beherzigen werden. Ansonsten sind die Türkei und ihre Menschen ein liebenswertes Land, das wir nicht vergessen werden! So, jetzt geht’s auf zur Mittelmeerküste! Wir überqueren das Marmarameer bei Gebze mit einer Fähre und fahren Richtung Westen, um bei Edremit die Ägäis zu erreichen und ab dort der Küstenstrasse über Izmir und Marmaris bis nach Antalya zu folgen.

 

Kurz vor Bursa ereilt uns das  Schicksal in Form einer Reifenpanne! Die Flanke des linken Vorderreifens wird von etwas spitzem durchstossen, der darunterliegende Schlauch bekommt einen Riss und verliert schnell seinen Druck. Auf einem Schotterplatz an einer der unzähligen Trinkwasserentnahmestellen, die es an den Strassen der Türkei gibt, wechseln wir innerhalb von 40 Minuten das Rad und füllen dabei auch gleich noch unsere Frischwasservorräte auf. In Bursa halten wir an einer der vielen Reifenwerkstätten (hier heissen sie übrigens „Otolastik“). Der erfahrene Mechaniker löst den Mantel von der Felge, entnimmt den Schlauch, flickt ihn, setzt ihn wieder ein, zieht den Mantel auf (das alles natürlich unter freiem Himmel in sengender Mittagshitze) und wir können nach 30 Minuten und nur 12 Euro Reparaturkosten unsere Fahrt wieder fortsetzen. Wir erreichen die Ägäisküste bei Edremit, in Sichtweite der griechischen Insel Lesbos, die hier nur durch einen 8 Seemeilen breiten Meeresarm von der türkischen Küste getrennt ist und biegen ab auf die Küstenstrasse Richtung Süden. In Izmir, nach Istanbul zweitwichtigste Hafenstadt der Türkei, sammeln wir zwei Anhalter auf. Hassan und Sedat studieren in Istanbul und nutzen die Semesterferien für einen Trip zur Südküste nach Marmaris. Wir überreden die beiden zur Besichtigung der 50 km von Izmir entfernt liegenden Ausgrabungsstätten von  Efes (Ihnen geht’s genau wie uns, die wichtigen historischen Stätten im eigenen Land kennt man zum grossteil nicht). Der Eintrittspreis ist schockierend, 12 Euro pro Person! Sedat und Hassan haben da mehr Glück, mit ihren Studentenausweisen kommen sie umsonst rein. Wenn die Eintrittsgelder komplett in weitere Ausgrabungen und Rekonstruktionen gesteckt würden, wäre es ja noch in Ordnung, aber wir müssen uns von den beiden Studenten darüber belehren lassen, dass der überwiegende Teil in die sowieso schon prall gefüllten Taschen hochrangiger Politiker fliessen! Wir beschliessen, gemeinsam mit Hassan und Sedat bis zur Südküste zu fahren. Nach einem Zwischenstopp in Kusadasi (Aufstrebender Urlaubsort, viele Touristen, unzählige Geschäfte und Boutiquen, viele überteuerte Restaurants und Bars. Einziger Lichtblick ist unser Standplatz auf der kleinen vorspringenden Halbinsel, die dem dunkelgebräunten, stattlichen „Piraten“ gehört, ca. 3 Km südlich des Stadtzentrums) erreichen wir Marmaris am frühen Nachmittag des folgenden Tages. Die Anfahrt auf diesen Badeort und die ihn einschliessende Bucht aus dem Küstengebirge heraus ist atemberaubend schön! Damit hat sich’s aber auch schon. Laut Ortsschild hat Marmaris 22.500 Einwohner. Die sind Moment allerdings alle damit beschäftigt, Tabletts zu tragen, Hotelzimmer zu reinigen, Gold, Lederwaren und jede Menge überflüssiges Zeug an die Unmengen von Touristen zu verkaufen, die sich hier aufhalten. Eine Million sollen es pro Saison sein, so dass im Schnitt ca. 100.000 ständig hier sind. Zum Grossteil Engländer. Muss ich dazu noch was sagen? Es gibt kaum was schlimmeres als englische Pauschaltouristen, ebenbürtig sind vielleicht noch deutsche Mallorca-„Ballermann“-Urlauber. Wir fliehen schleunigst über eine Bergkette auf die westlich der Stadt gelegene grosse Halbinsel und landen nach 20 Km auf einem zwar grossen, aber ruhigen staatlichen Campingplatz. Es tut gut, sich mit Sedat und Hassan mehrere Tage permanent in Englisch unterhalten zu müssen, das bringt die eingeschlafenen Kenntnisse wieder auf Vordermann! Wir setzen die beiden Studenten am 18. Juni (wir wurden gebeten, öfters Datumsangaben in den Bericht einfliessen zu lassen, um den zeitlichen Ablauf deutlicher werden zu lassen) im Zentrum von Marmaris ab, nachdem wir uns mit ihrer Dolmetscher-Hilfe in einer ansässigen Schneiderei noch eine neue Vordachplane haben nähen lassen. Die beiden versprechen, für den Rest unserer Reise einen E-Mail Kontakt aufrechtzuerhalten. Wir beherzigen ihren letzten Tipp und machen uns auf zum Turtle-Beach bei Dalyan. Der Name Turtle-Beach stammt daher, dass in den Sommermonaten die inzwischen fast ausgestorbenen Karett-Seeschildkröten dort in den Nachtstunden an Land kommen, um ihre Eier zu legen. Was leider für uns auch bedeutet, dass wir über Nacht nicht direkt in dieser traumhaft schönen Bucht stehen bleiben können, da sie zwischen 20 Uhr und 8 Uhr nicht für Besucher geöffnet ist. In der Nacht campieren wir also auf einem kleinen Parkplatz vor der von einem Wächter beaufsichtigten Schranke, um dann morgens mit Maggie an den Strand zu fahren. Dort treffen wir auf Gudrun und Volker, die mit ihrem zweirädrigen Einfamilienhaus (Honda Goldwing, mit über 400 kg mächtig schwer) schon 4 Wochen in der Türkei unterwegs sind. Die beiden sind vor ein paar Jahren mit Motorrädern auch schon an der Ostküste Australiens unterwegs gewesen und können uns so einiges von dem berichten, was uns dort erwartet. Wir fahren weiter Richtung Antalya. Böse Zungen behaupten, an der Mittelmeerküste der Türkei würde sich ein Touristenzentrum an das nächste reihen, die komplette Küste sei zugebaut mit Hotels und Appartementsiedlungen, nirgendwo gäbe es mehr ein einsames Stückchen Strand. Alles gelogen! Sollte euch jemand diese Geschichte auftischen, dann kann er nur als Pauschaltourist in einer der türkischen Touristenhochburgen abgesetzt worden sein und sich von dort aus auch nicht besonders weit entfernt haben. Natürlich gibt es hier auch noch malerische Fischerdörfer und Küstenabschnitte, die der grosse Urlauberstrom bis jetzt nicht erreicht hat. Man muss nur bereit sein, die Hauptstrassen zu verlassen und ein bisschen Zeit bei der Suche zu verbringen! Wir haben so zwischen Marmaris und Antalya mehrere Stellen gefunden, die einen Aufenthalt wert waren. Kaum besuchte Kilometerlange Sandstrände, tiefblaues klares Wasser, aber immer in engem Kontakt mit der türkischen Tierwelt. Hauptsächlich Mücken, davon zeugen bei Marcus und mir im Moment jeweils mehr als 40 Stiche. (Das Bild von der Spinne, die immerhin 10 cm Durchmesser hat, habe ich übrigens selber aus 20 cm Entfernung gemacht. Meine Arachnophobie lässt also zum Glück langsam nach, was für unseren Aufenthalt in Südostasien sicher von Vorteil sein wird). Einen dieser ruhigen, nicht von Touristen überlaufenen Küstenabschnitte finden wir bei Demre/Kale. Lange Sandstrände, die nur von wenigen türkischen Urlaubern besucht werden. Wir richten uns an einer schönen Stelle am Strand häuslich ein. Am Nachmittag des folgenden Tages erscheint eine Gruppe von jungen türkischen Männern und Frauen. Wie sich später herausstellt, handelt es sich um Studenten aus der 60 km landeinwärts gelegenen Kleinstadt Elmali und einige Freunde aus Demre. Während einer von ihnen sich damit beschäftigt, Holz für ein Grillfeuer zu sammeln, stecken die übrigen direkt neben uns am Strand ein Fussballfeld ab und beginnen zu spielen (Die Fussballbegeisterung der Türkei ist seit dem Einzug ihrer Mannschaft ins Halbfinale der WM nur noch weiter gestiegen). Nachdem der Ball einige Male durch unser Vorzelt gerollt ist, werden wir gefragt, ob wir nicht mitspielen möchten. Na klar! Ich hechele also in der Hitze der prallen Sonne barfuss durch den tiefen Sand und es gelingt mir sogar, ein fulminantes Tor für meine Mannschaft zu erzielen. Nach dem Spiel und einem gemeinsamen abkühlenden Bad im Meer werden wir zum Essen am Strand eingeladen, es gibt gegrilltes Tavuk (Hühnchen), Tomaten, Peperoni und Brot. Genau die richtige Mahlzeit nach einer solchen Anstrengung. Nach dem Essen sitzen wir dann bei Maggie zusammen, zeigen Erkan, seiner Freundin Sehan und ihren Freunden Fotos unserer bisherigen Reise und lassen uns auf der Karte zeigen, aus welcher Stadt jeder von ihnen stammt und welche Orte auf unserer weiteren Route für besonders sehenswert gehalten werden (dass acht Leute gleichzeitig an ihr rumzerren, hat unsere Strassenkarte nur mit einigen Blessuren überstanden). Erkan schlägt uns vor, gemeinsam nach Elmali zu fahren. Gesagt, getan! Am nächsten Tag machen es sich sechs unserer neuen Freunde in Maggies Räumlichkeiten gemütlich und wir fahren zuerst zu einer ausgedehnten Badepause an den Strand des 25 km entfernt liegenden Finike. Danach geht’s landeinwärts durch das küstennahe Gebirge nach Elmali. Erkan und drei Mitbewohner haben hier eine typische Studentenwohnung, es ist ein ständiges Kommen und Gehen von Freunden und Bekannten. Nach einem ausgiebigen Abendessen auf dem Boden des Wohnzimmers werden wir zur ältesten Moschee und durch die Altstadt geführt.   Später sitzen wir bei Raki, Wein und von Sehan und ihrer Freundin liebevoll zubereiteten Meze (Kleinigkeiten zum Essen wie verschiedene Salate, mit Gurken und Gewürzen angemachter Joghurt, Früchten und Nüssen, die in der Türkei zu alkoholischen Getränken immer dazugehören, was übrigens eine äusserst empfehlenswerte Sitte  ist!) zusammen, haben riesigen Spass, es wird viel erzählt und Lieder werden gesungen. Nach ausgeschlafenem Rausch und einem kräftigenden Frühstück in einem kleinen Restaurant fahren wir am nächsten morgen gemeinsam zu ihre am Ortsrand gelegenen Schule, einer Aussenstelle der Universität von Antalya, Schwerpunkt Marketing und Handelswesen. Für Erkan und seine Freunde steht heute, am Semesterende, die letzte ihrer Examensprüfungen an, alle sind ein wenig nervös und versuchen, sich in der verbleibenden Zeit den Unterrichtsstoff des vergangenen Jahres einzubläuen. In der Cafeteria der Hochschule treffen wir einige ihrer Dozenten und unterhalten uns angeregt mit ihnen. Während der Prüfung werden wir vom Con-Rektor, Herrn Cicekci, der seine ersten 14 Lebensjahre in Deutschland verbracht hat, in sein Büro eingeladen, tauschen mit ihm bei einer Tasse Tee unsere Reiseerfahrungen aus und lassen uns über die derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Türkei aufklären. Herr Cicekci schlägt uns vor, ihn bei Problemen auf unserer weiteren Reise durch den Osten der Türkei telefonisch zu kontaktieren, da er in vielen der größeren Städte Bekannte in hohen Positionen hat, die uns nötigenfalls weiterhelfen können, ein Angebot, welches wir natürlich dankbar annehmen. Unsere Freunde haben inzwischen ihre letzte  Examensprüfung mit Erfolg bestanden und sind dementsprechend gut gelaunt! Am späten Nachmittag verabschieden wir uns herzlich von allen und brechen auf ins 120 km entfernt liegende Antalya, nehmen dabei noch Erkans Freund Kaan und einen seiner Dozenten mit, der mit seiner Familie in Antalya wohnt. Antalya ist noch schlimmer, als wir gedacht hatten! 550.000 Einwohner, 150.000 Touristen, 40° im Schatten, über 85% Luftfeuchtigkeit, Hotels so weit das Auge reicht, die Hauptbadestrände berstend voll mit Menschen. Eine dichte, feuchte Dunstwolke liegt über der Stadt und trübt den Blick auf die nahegelegenen Berge (da wir euch diesen Anblick ersparen wollen, packen wir die Kamera gar nicht erst aus). Wir setzen unsere beiden Mitreisenden ab, verbringen die Nacht auf einem weit ausserhalb gelegenen, schmutzigen Campingplatz und flüchten am nächsten morgen, es ist der 25. Juni, ins 70 km entfernt liegende Side, zwar auch touristisch erschlossen, aber bei weitem ruhiger und entspannter. In Sichtweite der historischen Ausgrabungsstätten um das grosse, halb zerfallene römische Amphitheater, finden wir am langen Badestrand der Stadt einen guten Platz für uns und Maggie. Zwei Jendarma-Beamte, beauftragt mit der Überwachung des Strandes, die uns am Nachmittag besuchen, bestätigen uns, dass unser geplanter Aufenthalt von drei Tagen kein Problem für sie darstellt. Ganz im Gegenteil: Sie informieren ihre Dienststelle über unsere Anwesenheit, so dass in der Nacht, wenn keine Patroulliengänge von ihnen durchgeführt werden, auch jemand ein Auge auf uns hat. Am Abend telefonieren wir mit Erkan in Elmali. Er wird mit einem Freund in zwei Tagen zu uns stossen, so dass wir gemeinsam in Erkans 460km ostwärts gelegene Heimatstadt Mersin fahren können. Zwischendurch fällt mir noch ein wichtiger Tankstellen-Tipp für euch ein: Bei einer Reise durch die Türkei werdet ihr es oft erleben, dass an Tankstellen die Benzinpreise auf den Anzeigetafeln an der Strasse nicht mit denen auf der Zapfsäule übereinstimmen. Da sind schon mal 50.000 Lira pro Liter (also 3,5 Cent) pro Liter drin. Also, achtet darauf! Wenn ihr es bemerkt, beschimpft den inzwischen gierig herbeigeeilten Tankwart, der sich damit herauszureden versuchen wird, die Preissteigerung sei erst vor einer Minute telefonisch übermittelt worden. Gebt ihm mit zornigen Blicken zu verstehen, dass dies räuberische Geschäftsgebaren sind, steigt wieder in den Wagen und fahrt zur nächsten Tankstelle, am besten in seiner Sichtweite. Er wird aus Ärger über den entgangenen Profit im Boden versinken!

 

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