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Die
türkische Grenze bei Kipoi ist chaotisch. Jeder parkt sein Fahrzeug, wo
grad Platz ist.. Hinweisschilder gibt’s nur in türkisch, irgendwelche
Orientierungshilfen fehlen. Was nicht fehlt, sind schwerbewaffnete
Militärkräfte, die ständig in Gruppen hin und hermarschieren. Das Büro
zur Passkontrolle finden wir dann doch und bekommen unseren
Einreise-Sichtvermerk. Alles übrige wird schwierig! Alle Beamten, die wir
hier treffen, sprechen weder Deutsch noch Englisch. Oder wollen es nicht.
Sie sprechen (das ist natürlich ihr gutes Recht) Türkisch. Wir nicht.
Nach vielen gestikulierten Erklärungen wissen wir, dass wir auch Maggie
zur Einreise anmelden müssen. Dafür gibt es zwei Schalter. Als wir am
ersten umsonst angestanden haben, kennen wir die türkisch geschriebenen
Worte für ´Einreise´ und ´Ausreise´. Mit etwas Mühe können wir den
drei Beamten am zweiten Schalter, die unseren schwierigen Fall gemeinsam
bei Zigaretten und Tee beraten, erklären, dass Maggie ein Wohnmobil ist.
Man nimmt sie äusserlich in Anschein, ist zufrieden, füllt ein Formular
aus, welches Marcus unterschreiben muss und dafür nach Entrichtung eines
geringen Obolus einen zweiten Sichtvermerk in seinen Pass gestempelt
bekommt. Weiter geht’s zum nächsten Schalter. Dieser Beamte will
scheinbar doch einen genaueren Blick auf Maggie und alles, was wir mit ihr
transportieren, werfen. Die Schränke werden geöffnet und inspiziert.
Seinen Missmut erwecken vor allem die 300 von uns mitgeführten
Ersatz-Cutterklingen (ich weiss selbst nicht, warum wir so viele dabei
haben). Dann möchte er noch einen Blick in die Staukästen auf dem
Dachgepäckträger werfen. Ich zeige ihm, wie man über den Kuhfänger auf
das Dach klettern kann. Krakelend und gestikulierend macht er mir
verständlich, dass er da nicht hinauf will (oder aufgrund seines hohen
Alters nicht kann). Beleidigt zieht er von dannen, aber es scheint alles
in Ordnung zu sein, jedenfalls haben wir die benötigten Papiere. In einem
Büro, das wir als Zweigstelle einer Art Automobilclub
ausmachen,
versuchen wir noch, die vorgeschriebene auf die Aufenthaltszeit begrenzte
Kfz-Versicherung zu bekommen. Für
einen PKW sicher kein Problem, für uns
und Maggie klappts hier nicht. Dafür aber im Zubereitungsraum eines
Imbisses, in den man uns führt. Für zwei Monate Aufenthalt kostet es
bescheidene 30 Euro. Dafür
gibt es eine Plakette und ein türkisches Formular, vielleicht sind wir
soeben auch in die türkische Polizeigewerkschaft eingetreten! Am letzten
Schlagbaum werde ich noch einmal zur Einfahrt der Grenzstation
zurückgeschickt. Dort tippt ein Beamter, der zumindest freundlich auf
meine ersten gelernten türkischen Worte für
´Guten Tag´ und ´Danke´ reagiert
noch mal Kennzeichen und unsere Namen in einen Rechner. Das sieht nun auch
der Beamte am Schlagbaum
auf seinem Bildschirm und der Weg für uns wird freigemacht. Ich hab es
mir verkniffen, hier Fotos zu machen. Der Gedanke, mich vom deutschen
Konsulat aus der 40-Personen-Sammelzelle eines unfreundlichen türkischen
Gefängnisses befreien zu lassen, schreckt ab.
stößt.
Letztendlich
landen wir
zugestaubt doch wieder am Wasser und (keiner von uns hätte das
an dieser Stelle vermutet) einem idyllischem kleinen Camping- und
Picknickplatz, auf dem wir gegen eine geringe Gebühr unter hohen
Ahornbäumen die Nacht verbringen. Unsere
Weiterfahrt am nächsten
Morgen wird uns nach 1km verwehrt durch einen
Böschungsabbruch, der den sowieso schon schmalen Weg so eng macht, dass
Maggies äußere Reifen schon halb über den steil zur Küste abfallenden
Hang herausragen würden. Das erscheint uns dann doch zu riskant! Also geht’s
den ganzen weiten, steinigen Weg zurück nach Tekirdag. Da es Sonntag ist,
wollen wir bei eher mäßigem Verkehr versuchen, bis zum Nachmittag die
Kernstadt von Istanbul zu erreichen. Wir müssen in den nächsten Tagen
versuchen, die benötigten Visa für Pakistan, Iran und Indien bei den in
Istanbul niedergelassenen Botschaften zu erhalten, außerdem sollen in
einer Werkstatt die Blattfedern von Maggie verstärkt (für die eher
schlechten Wegstrecken, die uns auf dem Rest der Reise erwarten) und ein
defekter Simmerring des Verteilergetriebes getauscht werden. Wir haben von
unserem Freund Christian, der wiederum einen in Deutschland lebenden
Türken als guten Bekannten hat, Name und Telefonnummer dessen in Istanbul
lebenden Schwagers Ayhan
erhalten, um von diesem ein wenig Hilfestellung
zu bekommen. Nun
gehört Istanbul (mit seiner durch die in der Türkei herrschenden
Landflucht auf 15 Millionen Einwohner angestiegenen Bevölkerung) zu den
wenigen Städten auf der Welt, für die (wie Mexiko-City oder Sao Paolo)
der Begriff Grosstadt nicht mehr ausreicht. Uns bekannte grosse Städte
wie Berlin, Paris oder London werden neben Istanbul zu Provinznestern
degradiert. Eine genaue Stadtgrenze lässt sich nicht ausmachen, doch
fahren wir die letzten 40km unserer Etappe durch etwas, dass man als
Stadtbereich Istanbuls bezeichnen könnte. Da wir über einen halbwegs
detaillierten Innenstadtplan verfügen, erreichen wir recht zügig den Kernbereich,
parken (wie jeder hier) im Halteverbot in der Nähe der Universität und
versuchen Ayhan telefonisch zu erreichen. Dies funktioniert problemlos,
doch Ayhan erklärt, sich erst am kommenden Morgen um uns kümmern zu
können. Also geht’s erst mal wieder fast 50km aus der Stadt heraus, um
einen ruhigen Platz für die Nacht zu
finden, und zwar die Parkfläche
eines Sportplatzes einer der Istanbuler Sattelitenstädte. Dort
findet gerade ein Fußballspiel statt. Ein Beamter einer Gruppe anwesender
Polizeibeamter begrüßt uns freundlich, erklärt, dass dieser Ort zwar
eigentlich zu gefährlich sei (seine Frage, ob Maggie gepanzert ist,
halten wir jedoch für übertrieben), gibt uns dann aber doch sein en
Segen und sorgt dafür, dass in der Nacht in regelmäßigen Abständen
eine Polizeistreife bei uns vorbeischaut, um zu sehen, ob alles in Ordnung
ist.
wir
unbeschadet unser Ziel und treffen Ayhan am Hauptportal der Hagia Sophia.
Und
nun geschieht etwas, das wir als Westeuropäer nicht gewohnt sind! Dieser
Mann, der uns noch nie zuvor im Leben begegnet ist und nur weiß, dass wir
Freunde eines Bekannten seines Schwagers in Deutschland sind, verbringt
die folgenden Tage von morgens bis abends mit uns, bemüht sich, uns Wege
zu ebnen und unsere Probleme zu lösen, und dies völlig uneigennützig.
Zuerst fahren wir quer durch die Stadt, überqueren den Bosporus, betreten
somit zum ersten Mal den asiatischen Kontinent und erreichen nach einer
Irrfahrt, die uns kaum die Chance liesse, zurückzufinden, ein
Stadtviertel, dass auf mehreren qkm nur aus Autowerkstätten zu bestehen
scheint. Ayhan findet sofort eine, die auf Blattfederarbeiten
spezialisiert ist. Nach wortreichen Verhandlungen bei einem Glas Tee (der
Beginn eines Teekonsums,
der sich in den folgenden Tagen nur in Litern
bemessen lässt) einigen wir uns auf einen Preis, der nur ein Bruchteil
dessen ist, was man in Deutschland für eine solche Leistung bezahlen
müsste, und die Arbeit beginnt. Tamer
und seine Kollegen bauen Maggies Blattfederpakete aus (vor der kleinen
Werkstatt, mitten auf der Strasse!), fügen bei den Sätzen der
Vorderachse
ein neues Federblatt ein, so dass wir 7cm mehr Federweg
erhalten, und biegen die Blätter der hinteren Federpakete soweit vor,
dass Maggie auch dort um 7cm höher liegt.
An
diesem Abend wird bis 22Uhr gearbeitet, wir sitzen vor der Werkstatt, trinken
Tee und haben viel Spass mit Ayhan, Tamer und den anderen Jungs. Nachdem uns
Ayhan einen Platz in der Nähe seiner Wohnung gezeigt hat, auf dem wir die
nächsten Nächte über gefahrlos stehen können, trinken wir gemeinsam ein paar
Raki und essen Wurst, Schafskäse und Joghurt, die Ayhan auf die Schnelle
besorgt hat.
(unglaublich
günstig) wieder in den europäischen Teil Istanbuls zur pakistanischen
Botschaft. Ohne große Probleme werden die Formalitäten erledigt und man
bittet uns, am kommenden Morgen unsere Pässe mit dem gewünschten Visum
wieder dort abzuholen. Zeit für etwas Sightseeing! Die
phantastische Blaue Moschee, ein
Traum , wie
aus einem arabischen
Märchen, die Hagia Sophia, Kapali Carsi, größter Basar Istanbuls,
weitläufig wie ein Stadtteil in dem man sich als nicht Einheimischer
schnell verirren kann.
Am
frühen Nachmittag überqueren
wir den Bosporus auf einer Fähre,
besteigen einen der kleinen 15-sitzigen Busse, die man in Istanbul zu
Hunderten herumfahren sieht und die einen für weniger als 50 Cent quer
durch die Stadt transportieren. Wir erreichen wieder das Werkstattviertel,
die Arbeiten an den Federn sind beendet, und dass wirklich mit
hervorragendem Ergebnis! Diese Mechaniker brauchen sich mit dem, was sie
hier mit einfachsten Mitteln zustande bringen,
nicht hinter der Leistung
einer deutschen Hightech Werkstatt zu verstecken. Das
Problem mit dem Ölverlust am Verteilergetriebe wird in der nahegelegenen
Werkstatt von Mehmet beseitigt.
Da Maggie nicht in die kleine Halle passt, wird sie 100m weiter an einer
passenden freien Stelle der Strasse abgestellt. Mehmet und seine Kollegen
holen ihr Werkzeug, kriechen unter den Wagen und legen los. Zwischendurch gibt’s natürlich wieder jede Menge Tee! Bis
21 Uhr wird geschraubt, Maggie wieder fahrbereit gemacht und am nächsten Morgen
soll der Rest erledigt werden.
würden positiv beschieden werden.
Mit
Bus, Fähre und Sammeltaxi zurück zu Mehmet. Er hat den defekten Simmerring
inzwischen getauscht und es bleibt nun nur noch das Problem mit dem Anschließen
unseres 300 Liter Reservetanks an die Kraftstoffversorgung zu lösen. Tamer, der
erstklassige Mechaniker aus der Federn-Werkstatt, hat einen Freund, der sich
sehr gut mit Lkws auskennt und in einem anderen Stadtteil seine eigene Werkstatt
betreibt. Dieser wird kurzerhand angerufen, ist eine halbe Stunde später bei
uns und hat nach kurzer Beratung mit Tamer und Mehmet den passenden Vorschlag.
Er will die von uns mitgeführte Reserve-Kraftstoffpumpe unter dem Führerhaus
montieren und so mit den Tanks verbinden, dass man bei geleertem Haupttank aus
dem Reservetank umpumpen kann. Ausserdem will er am Reservetank ein
Kunststoffrohr zur Füllstandsanzeige anbringen. Am übernächsten Tag wird er
uns abholen, so dass wir gemeinsam in seine Werkstatt fahren können. Unser
Besuch in der indischen Botschaft am nächsten Morgen ist nicht ganz so
erfolgreich, wie wir es uns erhofft haben. Zwar wird unser Visum-Antrag
entgegengenommen und eine Bearbeitung und Erteilung nach 5 Tagen in Aussicht
gestellt, jedoch erklärt man uns, dass ein Grenzübertritt von Pakistan nach
Indien seit 24 Stunden nicht mehr möglich ist, da die gespannte Lage im
Kaschmir-Konflikt aufgrund eines pakistanischen Raketentests in Grenznähe
derart eskaliert ist, dass alle Grenzübergänge geschlossen wurden, einige
Länder ihre Staatsangehörigen sogar aus Indien und Pakistan zurückgerufen
haben. Weit über eine Million einsatzbereite Soldaten stehen sich seitdem auf
beiden Seiten der Grenze gegenüber. Wir können nur hoffen, dass sich die Lage
innerhalb der nächsten zwei Monate beruhigt, so dass wir die Möglichkeit
haben, die Grenze relativ gefahrlos zu passieren. Die alternative Möglichkeit,
von einem iranischen Hafen nach Bombay zu verschiffen wäre, da mit viel Aufwand
und Kosten verbunden, nur die finale Notlösung!
Freunden und brechen auf Richtung Schwarzes Meer.
In
den kommenden zehn Tagen
wollen wir ca. 800km an der Küste Richtung Osten vorstoßen
und dann nach Istanbul zurückkehren, um unsere, hoffentlich erteilten Visa für
Iran und Indien abzuholen.
in Istanbul in Seifenlauge
spazieren fahren, wundert es uns nicht, dass wir bei einem Teil unserer Sachen
von nun an mit traditionellen Batik-Mustern vorlieb nehmen müssen.