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Um 12.30 Uhr (GMT + 5Std.) betreten wir in Taftan die Islamic Republic Pakistan. Man hatte uns vorher gewarnt, dass die Zöllner versuchen würden, uns illegale Einreisegebühren von mehr als 100$ pro Person abzunehmen. Einem Traveller wurde sogar, nachdem er auf Nachfrage seine mitgeführte Bargeldmenge mit knapp 1000$ angegeben hatte, sein komplettes Geld abgenommen. Wir sind also auf der Hut, grundlos, wie sich herausstellt. Nach 10 Minuten bekommen wir im kleinen Immigrations-Office unsere Einreisestempel, ein Zöllner fährt mit uns zum 2km entfernten Custom-Office (vorbei an etwas, das wie ein großes Nomadenlager aussieht, in Wirklichkeit aber die Grenzstadt Taftan ist), Maggie wird als legal eingeführt ins Carnet de Passage eingetragen, man wirft einen kurzen Blick in den Wohnaufbau und das wars! So reibungslos und schnell hat bis jetzt kein Grenzübertritt funktioniert.
Wir fahren zum nahegelegenen PTDC-Motel (eine Kette von staatlichen Motels in Pakistan, auf deren Gelände man mit einem Wohnmobil für 100 Rupies pro Person, also 1,70€, inklusive Duschbenutzung übernachten kann) um hier den Rest des Tages und unsere erste Nacht in Pakistan zu verbringen. Wir sind die einzigen Gäste, der Tourismus hat aufgrund der kritischen Lage im angrenzenden Afghanistan und den Spannungen mit Indien in der letzten Zeit rasant abgenommen, das deutsche auswärtige Amt rät im Moment wegen einiger Anschläge auf Touristen gar von einem Besuch des Landes ab. Da wir hungrig sind, das Hotelrestaurant aber im Moment nichts vorrätig hat, wird ein Angestellter zum Bazar geschickt, um alle notwendigen Dinge für eine Mahlzeit einzukaufen; in zwei Stunden soll das Essen fertig sein.
Wir gehen derweil durch heftigen Wüstensturm und staubige, versandete Gassen zur kleinen örtlichen Bank, um einige Traveller-Cheques in Rupies einzutauschen (direkt vor dem Immigrations-Office haben wir zwar unter den Augen eines bewaffneten Grenzsoldaten unsere restlichen iranischen Rial bei Schwarzhändlern umgetauscht, aber die Summe wird nicht allzu weit reichen. Der Bankvorsteher muss uns zu seinem Bedauern mitteilen, dass wir unsere Euro Traveller-Cheques nur bei einer grossen, staatlichen Bank einwechseln können, die nächste sei in Quetta, 500km entfernt, aber auf unserer geplanten Reiseroute Richtung Islamabad. Dafür lädt er uns aber zu einem Tee ein.
Zurück im Hotel begeben wir uns in den Speisesaal und freuen uns auf die erste pakistanische Mahlzeit. Völliger Reinfall, der Koch scheint keine Gewürze zu kennen, Reis und Dahl (traditionelles Mus aus gekochten Linsen) schmecken fade, das zähe Huhn ist am Knochen noch roh und inzwischen wieder kalt, die Cola dafür warm, da der Kühlschrank nicht funktioniert (im Hotel gibt’s im Moment weder Strom noch Wasser, aber scheinbar passiert das nicht gerade selten). Der Hunger treibt es hinein. Wir sitzen gemütlich in Maggies Schatten, als zwei mit Koffern behängte Enduros auf den Platz fahren. Es sind Fritz und Mike aus Österreich, unterwegs nach Indien. Fritz muss Ende September von Indien aus nach Österreich zurückfliegen und sein Motorrad von Bombay aus verschiffen lassen, Mike will einmal den Globus umrunden und hat sich dafür 1 ½ Jahre Zeit genommen. Die beiden bauen ihre Zelte neben Maggie auf, während Marcus Pfannkuchen fürs Abendessen brät. Dafür stellt er auch unseren separaten Spirituskocher, den wir eigentlich für die Essenzubereitung unter freiem Himmel verwenden, auf die Arbeitsplatte, weil nur auf ihm unsere grosse Pfanne vernünftig Platz findet. Das führt, während wir draussen am Essen sind, fast zur Katastrophe. Spiritus muss aus dem Vorratsbehälter in das Gehäuse geflossen sein und hat sich, obwohl der Kocher ausgestellt war, selbst entzündet. Nun steht er lichterloh in Flammen und schickt sich an, auch Maggie in Brand zu setzen! Wir schaffen es rechtzeitig, ihn mit Hilfe der Fussmatte nach draussen zu befördern und dort mit Wasser zu löschen. Zum Glück hat Maggie keinen Schaden genommen, das Holz der Oberschränke ist zwar mächtig heiss geworden, hat aber noch nicht zu brennen begonnen. Glück gehabt! Am Morgen des 2.8. brechen wir auf ins 280km entfernte Dalbandin, die Fahrt geht durch die grosse Stein- und Sand wüste der Provinz Balutschistan. Sandverwehungen liegen auf der Strasse, kein Problem für Maggie, auch ohne Differentialsperren oder Geländeuntersetzung. Die schwerbepackten Enduros von Mike und Fritz, die wir an dieser Stelle wieder einholen, haben da schon eher Schwierigkeiten. Mike kommt mit Mühe und Not durch, Fritz fährt sich fest! Gemeinsames Anschieben befreit ihn aus seiner misslichen Situation. 50km weiter werden wir an einer Strassensperre von zwei Militärpolizisten gestoppt. Einer der Beamten brüllt durchs  geöffnete Fenster: „Road Tax!! Give me Road Tax!!“ Das könnte dir so passen, Road Tax! Einen Schlag an den Hals kannst du bekommen, wenn du versuchst deutsche Touristen auszuplündern! „Alemagne? Okay, go!“ Der Brüll-Beamte macht ein finsteres Gesicht, sein gut vorgetragener Einschüchterungsversuch hat nicht funktioniert. Auf der Fahrt nach Dalbadin sehen wir, was man alles mit einem Pick-up transportieren kann: 15 Schafe, 100 Kanister aus dem Iran geschmuggeltes Benzin oder 20 Pakistani. Habt ihr schon mal zwei Kamele auf der Ladefläche eines Pick-ups gesehen? Wir mehrmals, und ihrem breiten Grinsen nach zu urteilen, finden sie es völlig cool, mal nicht selber laufen zu müssen! Als wir Dalbandin am Nachmittag erreichen, versuchen wir, das B.a.R.-Resthouse zu finden, die Übernachtungsstätte für Mitarbeiter des Building and Road Departments.
Der Manager des PTDC-Motels hatte uns vorgeschlagen, auf dem bewachten Parkplatz dieses Resthouse zu übernachten. Nach einigem nachfragen finden wir in einer der Sandgassen des Ortes unser Ziel, aber der Wächter will uns nicht einlassen. Ein ebenfalls vor dem Tor wartender PKW, besetzt mit vier Sonnenbrillengeschmückten Pakistani, nimmt mich mit zu einem offiziellen der Stadt, um eine Genehmigung zu bekommen. Dieser erklärt jedoch, dass das Resthouse für die nächsten Tage von einer grossen Gruppe in Beschlag genommen wird und somit für uns kein Platz ist. Er verweist uns ans Al-Aman Hotel. Als wir dort eintreffen, stossen wir auf Fritz und Mike, die dort für 9$ ein grosses Zimmer mit eigener Dusche, manchmal funktionierender Klimaanlage und einigen Kakerlaken genommen haben. Für uns gibt es vor dem Hotel an der Hauptstrasse eine Parkmöglichkeit. Bevor wir zu Abend essen, wird Mike von Marcus in die Geheimnisse des Ventilspieleinstellens an seiner XT 600 eingeweiht. Mit so minimalen Reparatur- und Wartungskenntnissen auf eine derart lange Strecke aufzubrechen wie die beiden Österreicher, kommt uns etwas leichtsinnig vor. Aber Marcus ist ein guter Lehrmeister, anschliessend wird auch gleich noch ein Ölwechsel gemacht. Nach einem wirklich guten Abendessen im Hotelrestaurant (endlich mal wieder richtig gewürzte Speisen)einigen Tassen Tee auf der an die Strasse grenzenden Terrasse und einem langen Gespräch mit einem Pakistani über die politische Lage Pakistans und die besonderen Glaubensvorschriften des Islam (er scheint liberal zu sein, fällt aber fast in Ohnmacht, als er erfährt, dass in einigen Staaten Europas inzwischen auch gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen werden (das sei abnormal, Tiere täten so was auch nicht, und überhaupt...)) legen wir uns gegen 1 Uhr ins Bett und werden schon um 7 Uhr morgens vom Verkehrslärm der Hauptstrasse geweckt. Also brechen wir recht früh wieder auf, unser Ziel ist für heute Quetta, die Provinzhauptstadt Balutschistans, 330km entfernt.
Man hatte uns schon vorgewarnt, die ganze Strecke soll sich in einem üblen Zustand befinden. Tut sie auch! Abgesehen davon, dass wir seit dem Grenzübertritt darauf achten müssen, dass in Pakistan Linksverkehr herrscht, ist diese Strasse voller tiefer Wellen, Schlaglöcher und gerade mal so breit wie Maggie! Bei Gegenverkehr bzw. beim Überholen heisst das also, die Strasse halb zu verlassen. Es geht immer noch durch das Wüstengebiet Balutschistans, Maggie schaukelt, scheppert und gegen Mittag fordert die Strasse ihren Tribut. Man hört sogar im Führerhaus das schnelle Entweichen der Luft aus dem linken hinteren Reifen. Also, Radwechsel in der Hitze der Wüste, der Asphalt ist so heiss, dass man ihn kaum berühren kann. Aber wir sind ja inzwischen Profis im Radwechseln und nach 20 Minuten, mit Hilfe zweier Pakistani, die mit ihrem LKW netterweise angehalten haben, ist die Sache erledigt. Unschön nur, dass die Luft nicht aus dem Reifen, sondern durch eine Felgennaht entweicht. Sollte uns schon wieder eine Felge gerissen sein? Können wir aber erst feststellen, wenn der Mantel in einer Werkstatt abgezogen wird. Am Fahrzeug unserer beiden Helfer sehen wir, wozu Pakistani ausser Kricket und Polo noch besonders talentiert sind. Das Verschönern ihrer LKWs durch Farben, Holzaufbauten, glitzernde Anbauteile, Spiegel, bunte Lampen und Vorhänge an den Stosstangen aus dünnen Ketten ist hier Ehrensache und in vielen Fällen eine wahre Meisterleistung! Solch ein LKW würde jeden deutschen Kirmesbudenbesitzer vor Neid erblassen lassen. Vorsichtig und mit verringertem Druck in den Reifen (um die Felgen zu entlasten) fahren wir weiter Richtung Quetta und erreichen die grosse Stadt mit ihrem Verkehrsgetümmel aus Bussen, Motor-Rikschas, Fahrrädern, Esel- und Kamelkarren gegen 18 Uhr und finden einen guten Abstellplatz auf dem Parkplatz des zentrumsnah gelegenen „Bloom Hotel“.
Fritz und Mike, die wir im Verkehrschaos der Stadt wiedergefunden haben, steigen auch im Bloom ab. Fritz ist stinksauer,  in der Nähe eines afghanischen Flüchtlingscamp des UNHCR hat ihn ein UN-Jeep in einer Kurve touchiert und von der Strasse abgedrängt. Mit Mühe konnte er sein Bike abfangen, dass UN-Fahrzeug setzte seine Fahrt mit unverminderter Geschwindigkeit fort! Am Abend machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach einem Restaurant, laufen einige Kilometer durch die dichtbevölkerten Strassen von Quetta (neben den Gehsteigen verlaufen halboffene Abwasserkanäle, die Geruchs-Situation ist für einen Europäer, um es milde auszudrücken, ungewohnt), werden schliesslich fündig und geniessen eine gute, reichhaltige Mahlzeit aus geschmortem Curry-Huhn, Reis, Dahl und Gemüsetopf. Auf dem Weg zurück ins Hotel ist es schon dunkel, der starke Verkehr hat noch nicht nachgelassen, die Abgase der Fahrzeuge hängen derartig dicht in den Strassenschluchten, dass die Lichter der Scheinwerfer wie lange Leuchtbalken erscheinen. Gut ausgeschlafen machen wir am Morgen des 4.August einen weiteren Spaziergang durch das Zentrum von Quetta und suchen eine Bank, um unsere Traveller-Cheques tauschen zu können. Einerseits haben wir Pech, alle Banken sind geschlossen, da heute Sonntag ist (wir wissen schon seit einiger Zeit nicht mehr, welcher Wochentag gerade ist), andererseits haben wir das Glück, den 19-jährigen K.D. kennenzulernen, der uns im Teppichgeschäft seiner Familie zumindest Bargeld für einen akzeptablen Kurs tauscht. K.D.´s Familie (Vater, ständig bekiffter witziger Onkel und einige Brüder) betreiben ausserdem noch ein Schmuckgeschäft und einen Shop mit Büchern, Handarbeiten und Bekleidung, in dem Marcus und ich uns erst mal mit der traditionellen Alltagsbekleidung der Pakistani (Pumphose, gleichfarbiges knielanges Shirt und buntes Kopftuch) eindecken. Sogar in Kandahar, Afghanistan, hat die Familie noch eine Filiale, aber die Geschäfte dort laufen im Moment aus gegebenem Anlass eher schlecht. K.D. ist so nett, uns zum Internet-Cafe mit der schnellsten Verbindung der Stadt zu bringen und fährt uns nachher zu einem versteckten Laden, in dem wir (endlich wieder) Bier MIT Alkohol kaufen können. Für den Abend lädt er uns, Fritz und Mike zum Essen in das Teppichgeschäft der Familie ein. Pünktlich um 21 Uhr sind wir da. Das Essen wird aus einem Restaurant in der Nähe gebracht und ist nach Balutschistanischer Art zubereitet (schmeckt phantastisch. Gegessen wird wie üblich gemeinsam von grossen Platten ohne Besteck, nur mit Hilfe von Händen und einer Menge dünnem Fladenbrot. Wir unterhalten uns lange mit K.D. über das Leben in Pakistan, er selbst ist mit seinen 19 Jahren (verheiratet seit seinem 17. Lebensjahr, was er selber als viel zu früh empfindet, eine Tochter) in seinem Denken und Handeln viel weiter, als deutsche Jugendliche im selben Alter. Er wird in naher Zukunft die vier Geschäfte seiner Familie leiten, und das mit Sicherheit ohne Probleme. Am Morgen des 5.8. brechen Fritz und Mike auf in Richtung Loralai. Wir haben noch einige Dinge zu erledigen, bevor wir uns auch auf den Weg machen können. Zuerst besuchen wir die Nationalbank, um Geld zu tauschen. Kein einfaches Unterfangen, da wir, wie uns der Manager der Bank bestätigt, die ersten Touristen sind, die Euro-Traveller-Cheques vorlegen. Er muss mit der Zentrale in Karachi telefonieren, da es noch keine gültige Prozedur für diesen Wechselvorgang gibt. Aber nach kurzer Wartezeit und einer Tasse Tee klappts dann doch. Die Bank nimmt die Schecks an, muss sie danach jedoch, um selber an das Geld zu kommen, zur Filiale nach Frankfurt schicken. Die Post- und Bearbeitungsgebühren müssen selbstverständlich wir tragen (soviel zur weltweiten problemlosen Einlösbarkeit von American Express Euro-Traveller-Cheques).
Als nächstes fahren wir mit einer Motor-Rikscha durch die Stadt auf der Suche nach einem Versicherungsbüro, um eine Kfz-Haftpflicht Versicherungspolice für Maggie zu erwerben. Nach einer langen Irrfahrt, die uns schliesslich in das Büro einer Lebensversicherungsagentur führt, treffen wir zum Glück K.D.´s (natürlich wieder bekifften) Onkel, der uns umgehend zu einem guten Freund führt, der Kfz-Versicherungen verkauft. Dann muss noch Maggies Reifen geflickt werden. Zuerst schickt man uns in die Nähe des chaotischen Bus-Bahnhofes (Umschreibung für einen grossen Platz mit kreuz und querstehenden gleichzeitig hupenden Bussen ohne ersichtliches Fahrtziel, aber immer voll besetzt, meist auch auf dem Dach), Fehlanzeige. Aber nach kurzer Beratung mit einigen Einheimischen finden wir dann doch eine Werkstatt, die sich unseres Reifens annimmt. Wie schon befürchtet, ist auch diesmal wieder die Felge gerissen und muss in einer nahegelegenen Werkstatt geschweisst werden, bevor der geflickte Schlauch wieder eingesetzt werden kann. Da das Ganze an einer der Hauptstrassen Quettas stattfindet, sind wir natürlich die ganze Zeit von einer Traube von Menschen umringt. Der Chef der Werkstatt möchte für seine Arbeit nur 100 Rupies (1,60 €), die Hälfte des normalen Lohns, da wir Gäste des Landes sind. Das ist wahre Ausländerfreundlichkeit!

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