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Grosse Überraschung am Nachmittag des 8.September. Renate und Andreas, das Schweizer Pärchen mit ihrem Mercedes „James Cook“, welches wir im Iran am kaspischen Meer kennen gelernt hatten, kommen auf den Camp-Ground gefahren! Wir hatten losen E-Mail Kontakt mit ihnen gehalten, wussten, dass sie Pakistan aus Sicherheitsgründen in nur einer Woche durchquert hatten und sich seitdem in Rajestan rumtrieben. Dieses erneute Zusammentreffen ist einer jener wundervollen Zufälle, die man als Traveller immer wieder erlebt. Die Welt ist klein und unsere Freude groß! Es gibt natürlich viel zu erzählen und dauert einige Stunden, die Erlebnisse der letzten zwei Monate auszutauschen. Unterdessen ist die innenpolitische Lage in Nepal eskaliert. Neben einigen Bombenattentaten (die Sprengsätze werden jetzt verstärkt in den Zentren der grossen Städte gezündet), kommt es am Sonntag, dem 8.September, zu einem Angriff der maoistischen Terroristen auf eine abseits gelegene Polizeistation im Sindhuli-District (östlich von Pokhara). Nachdem Zufahrtswege durch gefällte Bäume abgeriegelt sind, beginnt eine dreistündige Attacke, in deren Verlauf 49 Polizisten und 20 Zivilisten, die als menschliche Schutzschilde benutzt werden, getötet. Die Bevölkerung Nepals ist entsetzt! Keine 24 Stunden später überfällt ein Kommando von mehr als eintausend schwerbewaffneten Maoisten das Hauptquartier des Western Hill Districts in Jandikharha. In dem zwölf Stunden andauernden Feuergefecht sterben 70 der 210 anwesenden Polizisten und Soldaten, die meisten der 100 Beamten, die sich zu diesem Zeitpunkt auf regulären Patrouillengängen befanden, gelten als vermisst. Einige Politiker verlangen nun das Wiederinkrafttreten der Notstandsgesetze, die vor einigen Wochen aufgrund einer vorübergehenden Beruhigung der Lage ausgesetzt wurden. Die Chance, als unbeteiligter Ausländer in Nepal zwischen die Fronten zu geraten, ist im Moment grösser als je zuvor!
Doch, wieder zu den schönen Dingen des Reiselebens. Wir finden in Pokhara einen Meat-Shop, in dem es das Kilo tiefgekühltes Rinderfilet für sage und schreibe 165 Rupies (also 2,10€) zu kaufen gibt. Keine Frage, das unsere Verpflegung in den nächsten Tagen reich an tierischen Eiweissen ist!
Bei unserer Einreise nach Nepal war uns ein kleiner Fehler unterlaufen. Als der Beamte des Custom-Office uns fragte, für welche Gültigkeitsdauer er das Carnet de Passage für Maggie ausstellen soll, hatten wir uns mit 14 Tagen einverstanden erklärt, weil wir dachten, dass unser Besuch Nepals nicht mehr als zwei Wochen in Anspruch nehmen würde (ein derartig begrenzter Eintrag ins Carnet ist eigentlich unüblich, da das Abkommen der Mitgliedsstaaten des Carnet-Vertrages vorsieht, dass die Gültigkeitsdauer generell 180 Tage beträgt). Inzwischen fühlen wir uns in Nepal allerdings so wohl, dass wir wohl ein paar Wochen länger bleiben werden. Somit haben wir also ein Problem. Wir fahren zum Immigration-Office von Pokhara (man kann hier unter anderem sein Visum verlängern lassen) und erkundigen uns, ob man uns mit der Änderung des Carnet-Eintrages behilflich sein könne. Man bedauert, das sei Sache des Custom-Office in Sonauli, welches den Eintrag vorgenommen hätte (das würde für uns bedeuten: Zwei Tage Fahrt zur Grenze nach Sonauli, zwei Tage für die Rückfahrt, also absolut inakzeptabel). Wir bitten den Beamten, telefonisch beim Custom-Office in Sonauli nach einem einfacheren Procedere zu fragen. Er lehnt ab. So etwas falle nicht in sein Aufgabengebiet und dort gäbe es mit Sicherheit auch kein Telefon. Blödsinn! Er will uns offensichtlich nicht helfen. Dann also der asiatische Weg, der da heisst: Gib dich nicht mit niederen Chargen ab! Wir verlangen, den Leiter des Immigration-Office zu sprechen. Der sei im Moment leider nicht da. Wann er denn wiederkommen würde? In etwa zwei Stunden. Wir versprechen, dann erneut vorstellig zu werden, sind auch pünktlich wieder da und müssen nun vorgelassen werden. Der leitende Beamte des Office entpuppt sich als freundlicher, zuvorkommender älterer Mann. Wir schildern ihm unser Problem, er erklärt, dass er uns zwar nicht direkt helfen kann, ist aber gerne bereit,, in Sonauli anzurufen. Nach einem fünfminütigen Gespräch mit seinem Kollegen vom Custom-Office richtet er uns aus, dass wir Glück hätten, der 14-Tage Eintrag im Carnet sei irrelevant. Wir können, wenn nötig, das volle 180-Tage Maximum ausschöpfen, ohne den Eintrag ändern zu lassen (Merke: Mit komplexen Problemen wendet man sich in Asien am Besten sofort an den höchstrangigen zur Verfügung stehenden Beamten).
Wir bedanken uns herzlich beim Leiter des Immigration-Office für seine Hilfe und feiern unseren Erfolg am selben Abend auf dem Campground bei einem ausgelassenen Barbecue (natürlich mit bestem Rinderfilet auf dem Rost). Die Tage in Pokhara vergehen wie im Flug. Die Ruhe und Entspannung auf dem Camp-ground tun uns gut, erst jetzt wird uns bewusst, wie anstrengend, sowohl in physischer wie in psychischer Hinsicht, die vorangegangene Zeit gewesen ist. Es ist schön, hier einmal richtig ausspannen zu können. Wir unternehmen Fahrradtouren ins Zentrum der Stadt und die nähere Umgebung. Das Wetter ist wechselhaft, fast jeden Tag gibt es mindestens einen Regenschauer (wir befinden uns an dem Ort mit der höchsten Niederschlagsmenge pro Jahr in Nepal), aber ebenso oft gibt es blauen Himmel und eine strahlende Sonne zu sehen.
Wir nehmen Kontakt zur Zweigstelle des Unternehmens USS Global Logistics in Mumbai (Bombay) auf, um Informationen zur Verschiffung von Indien nach Thailand zu erhalten. Die Gesellschaft wurde uns von unserem Bekannten Uwe Steinhörster empfohlen, der in Deutschland für das Logistik-Unternehmen RED-LINE tätig ist und über gute Kontakte in aller Welt verfügt. Mr. Denish Krishnan, Director der Filiale, nimmt sich unseres Falles persönlich an. Er sieht ein (nicht unlösbares) Problem in der Grösse von Maggie. Das sie nicht in einen Standard-Container passt, war uns klar, aber es kann sein, dass sie aufgrund ihrer Überbreite von 2,54m auch nicht auf ein Flat-Rack passt, auf jeden Fall wird es ziemlich knapp werden. Der geeignetste Verschiffungsort in Indien ist Chennai (Madras) an der Ostküste, der grösste Überseehafen des Landes. Wir verabreden mit Mr. Denish Krishnan, dass wir in ca. 3-4 Wochen auf unserem Weg durch Gujarat entlang der Westküste Richtung Goa in Mumbai halt machen, um ihn in seinem Office zu besuchen. Im Hafen von Mumbai sollen Spezialisten Maggie begutachten und entscheiden, ob wir von Chennai aus auf einem Flat-Rack verschiffen können, oder ob spezielles (heisst natürlich auch immens teures) Equipment benötigt wird. In einer der vielen kleinen Boutiquen entlang der Lake-Side von Pokhara lassen wir uns einige Kleidungsstücke auf Mass nach unseren Vorstellungen schneidern (die Preise dafür sind hier sensationell günstig). Ich bekomme eine lange und zwei kurze Hosen aus Mikrofaser, Marcus zwei lange Hosen aus demselben Material sowie zwei quietschorangene Hemden aus gutem Baumwollstoff. Wir sind mit dem Ergebnis so zufrieden, dass wir unsere Schweizer Bekannten Renate und Andreas auch in diese Boutique schleppen, die ebenfalls einige Hosen,  Wickelröcke und einen Sitzbezug in Auftrag geben. Die Besitzer, ein sympathisches nepalesisches Ehepaar, sind derart erfreut über soviel Arbeit, dass sie uns zu einem traditionell nepalesischen Abendessen einladen.
19. September, 23 Uhr. Wir stehen wieder auf dem Sarangkot-Viewpoint. Am Vormittag hatte uns ein befreundeter nepalesischer Trekking-Guide erzählt, dass es vergangene Nacht bei Mondschein eine traumhafte Aussicht auf die Annapurna-Range gab. Heute Nacht ist Vollmond, der Himmel sternenklar. Also haben wir uns auf den Weg gemacht, und der hat sich mehr als gelohnt! Sprachlos stehen wir nun hier oben, waren nicht auf diesen Anblick vorbereitet, als wir die letzten steilen Steinstufen zum Viewpoint hochkletterten. Erleuchtet durch das strahlende Mondlicht liegen die majestätischen, schneebedeckten Riesen vor uns. Annapurna South-Peak, Mt. Dhaulagiri, Annapurna I,II und III, Machhapuchhre, Lamjung Himal und Manaslu. Drei der Gipfel sind höher als 8000 Meter und alle sind sie wolkenfrei! Glücklich und schweigend betrachten wir diesen unwirklichen, atemberaubenden Anblick. Ein Trekking-Guide, den wir hier oben treffen, erzählt, dass wir zu den ganz wenigen Touristen zählen, die sich dieses phantastische nächtliche Schauspiel anschauen. Wir werden diese beeindruckenden Momente niemals vergessen.

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