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am 1. September um 14.30 Uhr im Königreich Nepal sind. Im
Imigration-Office erhalten wir als Europäer gegen eine Gebühr von 30US$ in kürzester
Frist ein 60-Tage Visum (andere Währungen werden nicht akzeptiert, noch auf
indischer Seite des Grenzkontrollpunktes gibt es daher die Möglichkeit US$ zu
erwerben, wenn man nicht sowieso schon über diese Währung verfügt). Im geschäftigen
Custom-Office gibt’s erst mal Tee. Man will uns hier nicht vorsätzlich warten
lassen, es dauert halt ein bisschen, bis die netten, aber nicht besonders
schnellen Beamten das Carnet de Passage ausgefüllt haben. Ein kurzer Blick in
unser Wohnzimmer reicht den
Zollbeamten, ihr Chef besteht allerdings darauf,
selber auf Maggies Dach zu steigen, um einen Blick in alle Staukästen zu werfen
(Sein ungelenker Versuch, über den Kuhfänger auf das Führerhaus zu
klettern löst allgemeine Erheiterung bei seinen Untergebenen aus). Nachdem er
die meisten Werkzeuge (deren Sinn er offensichtlich nicht versteht) einmal in
die Hand genommen hat, ist er zufrieden und nach weiteren 15 Minuten Schreibkram
wünscht man uns gute Reise.
25
km sind es von der Grenze bis Butwal, unser erstes Ziel in Nepal ist Pokhara,
dass 40km südlich des mächtigen Annapurna liegt. Dorthin gibt es zwei Wege.
Eine ca. 400km lange Strasse oder den mit 170km viel kürzeren (wenn auch
weitaus schlechteren) Weg mitten durch die ersten Ausläufer des Himalaya, deren
erste Kuppen direkt hinter Butwal ansteigen. Da fällt die
Wahl nicht schwer, Umwege fahren ist nichts für den richtigen Abenteurer! Also
tauchen wir mit Beginn der abendlichen Dämmerung in die beeindruckende Bergwelt
Nepals ein. Auf halber Strecke nach Pokhara finden wir neben der Strasse
oberhalb des durch das Tal rauschenden Gebirgsbaches einen angenehmen Platz zum
Übernachten. Da wir uns auf einer Höhe von über 1000m
befinden, sind die nächtlichen
Temperaturen wieder erträglich. Man braucht zwar noch keine
Decke, kann aber vernünftig schlafen und wacht morgens nicht wie gerädert auf.
Richtigstellung: Man könnte vernünftig schlafen, aber eine Flasche
nepalesischer Whiskey spielt uns derartig übel mit, dass wir am nächsten
Morgen mit einem Mordskater aufwachen. Selber schuld! Warum musste es auch die
ganze Flasche sein. In einem der vielen kleinen Bergdörfer entlang der Strecke
halten wir an und lassen uns in einem winzigen Restaurant ein kräftigendes
Omelett zubereiten, das uns wieder auf die Beine bringt.
Weiter
geht’s nach Norden auf der schmalen, aber relativ gut befahrbaren Strasse, vor
der man uns eigentlich gewarnt hatte. Hier und da ein paar Erdrutsche, aber da
die Regenfälle in diesem Jahr nicht so üppig ausfallen, sind die Hänge nicht
so aufgeweicht, dass es gefährlich wäre, diese Route zu befahren. So erreichen wir am frühen Nachmittag unbeschadet Pokhara, gelegen
au
f 830m Höhe im Tranquil Valley, bekannt für den phantastischen Ausblick auf
die nur 35km entfernt liegende Annapurna-Range, einen Teil der Himalaya Kette
mit gleich drei Achttausendern. Vorrausgesetzt natürlich, die Sicht ist gut,
was in der jetzigen Regenzeit zwar eher selten der Fall ist, aber wir werden
sehen.
Durch Zufall finden wir
das versteckt gelegene Tourist-Information Office, erhalten dort Broschüren über
Pokhara und die nähere Umgebung und eine City-Map, bei deren Betrachtung wir zu
unserer Freude feststellen, das es einen richtigen Camp-Ground am Phewa-Lake
gibt, der die Stadt im Westen abschliesst. Der Camp-Ground ist zwar nur mit dem
notwendigsten ausgestattet (schmutzige Toiletten, Dusche, kleiner Getränkeverkaufstand),
liegt aber direkt am Seeufer mit wunderbarem Blick auf die Berge im Westen. Da Pokhara einer der touristischen Hauptanziehungspunkte in Nepal ist
(zumindest in
der Saison von Oktober bis März), finden sich an der Strasse
entlang des Seeufers unzählige Restaurants, kleine Hotels, Cyber-Cafes, Shops
mit Trekking-Ausrüstung und vieles mehr.
Auf
dem Camp-Ground stehen ausser uns noch zwei andere Fahrzeuge, zu unserer
freudigen Überraschung Traveller aus Deutschland. Roswitha und Holger aus dem
Saarland mit ihrem 24 Jahre alten Mercedes 608, seit 1998 immer wieder in Asien
unterwegs, absolute Indien- und Nepalkenner sowie Doris und
Wolfgang aus der Oberpfalz mit einem umgebauten Mercedes G300D mit 20-jähriger
Afrikaerfahrung (kennen jedes Sandkorn in der Sahara mit Vornamen). Natürlich
gibt es jede Menge Geschichten zu erzählen, Erfahrungen und Informationen
werden ausgetauscht und es überrascht uns inzwischen gar nicht mehr, dass viele
der anderen Traveller, die wir auf unserer Reise getroffen haben, auch gute
Bekannte unserer vier sympathischen Landsleute sind. Gemeinsam werden kleinere
Reparaturen an den Fahrzeugen erledigt. Marcus darf ein Loch in die Aussenwand
des 608 schneiden, damit Holger den Kamin seiner Gasheizung reinigen kann und
mit Wolfgang bastelt er aus einigen Kleinteilen einen
neuen Anschluss für den
Druckausgleichsbehälter ihrer Wasseranlage zusammen.
Ein
starker Regenfall, der die ganze zweite nacht unseres Aufenthaltes in Pokhara
andauert, weicht den Boden des Camp-Grounds derartig auf, dass Maggie mit ihrem
rechten Hinterrad im Boden zu versinken droht, den Auffahrkeil hat es schon 20cm
in den Boden gedrückt! Also, zwei Meter vorfahren, Keil ausgraben und schauen,
ob uns der Boden an dieser Stelle trägt.
Holger
berichtet uns, dass es in letzter Zeit vermehrt zu Anschlägen chinesischer
Maoisten auf die Zivilbevölkerung Nepals gekommen ist (Dörfer werden von
Strom-, Telefon- und Wasserversorgung getrennt, im Zentrum Kathmandus ging eine
Bombe in die Luft, mehr als 200 Lehrer, die sich geweigert hatten, das Absingen
der nepalesischen Nationalhymne zu Beginn jeden Schultages zu unterlassen,
wurden von den Maoisten getötet). Inzwischen drohen die
Maoisten damit, gezielt ausländische Touristen zu attackieren, um dem Land (das
durch den diesjährigen Tourismus-Einbruch sowieso schon arg gebeutelt ist) noch
stärkere wirtschaftliche Schäden zuzufügen. Das die stark zurückgegangenen
Touristenzahlen (aufgrund der Ereignisse vom 11.September und den drei
Flugzeugabstürzen nepalesischer Maschinen, bei derem letzten allein 18
Trekkingtouristen ums Leben kamen) dafür sorgen, dass viele Geschäftsleute aus
Pokhara vor dem Ruin stehen, bestätigt uns auch der Inhaber des Cyber-Cafes
(mit angeschlossener Travel-Agency), aus dem wir neue Berichte nach Deutschland
mailen. Wenn es so weiter geht, will er sich einen Stein
an den Fuss binden und in den Phewa-Lake springen. Ich kann ihn davon überzeugen,
dass auch wieder
bessere Zeiten kommen werden!
Einen
Rundflug entlang der Annapurna Range müssen wir uns leider aus dem Kopf
schlagen. Im Moment, also ausserhalb der Hauptsaison, kann man aufgrund der
meist eher schlechten Wetterlage nur einen Helikopter mieten, zum stolzen Preis
von 550US$ pro halber Stunde. Aber selbst ein Helikopterflug würde uns derzeit
nichts bringen, die Gipfel der Annapurna Range sind dicht verhüllt von Wolkenbänken.
Auch
in den nächsten Tagen ändert sich nichts am Wetter und den Sichtverhältnissen.
Wir erledigen weitere kleine Reparaturen an Maggie und fahren mit dem Bus ins
Zentrum von Pokhara um uns mit Lebensmitteln einzudecken.
Besonders angetan hat es uns der schnittfeste Yak-Käse, den wir in allerbester
Qualität in einem kleinen, halboffenen Shop in einer der schmalen Seitengassen
der Stadt bekommen. Der Markt von Pokhara ist zwar klein, aber es gibt jede
Menge frisches Obst und Gemüse, diverse Sorten Kartoffeln und säckeweise
Ingwer, eines der beliebtesten Würzmittel der Nepalesen.
Dann,
am frühen Morgen des 6.September, bemerken wir, dass die Sonne die dichten
Wolken durchdrungen hat und schon grosse Stücke blauen Himmels zu sehen sind.
Wenn wir überhaupt eine Möglichkeit bekommen, einige der majestätischen
Gipfel des Himalaya zu sehen, dann jetzt, denn bis Mittag wird es sich um die
Berge herum
wieder zugezogen haben. Also geht’s rauf nach Sarangkot, einem der
besten View-Points auf die Annapurna-Range und richtig, einige der Gipfel sind
frei von Wolken und liegen silbrig weiss glänzend im Licht der Morgensonne. Man sieht den Annapurna-South
Peak, den pyramidenförmigen
Machapuchare und den 8091m hohen Gipfel des Annapurna-1. Der Himalaya, das Dach
der Welt, kein
Foto, keine Filmaufnahmen werden den erhabenen Eindruck
vermitteln können, den man in diesem Moment verspürt! Kein Lärm trübt diesen
Augenblick, ehrfurchtsvolle
Stille liegt über dem phantastischen, unvergesslichen Anblick, der sich uns
bietet. Schon nach einer knappen Stunde entziehen sich die majestätischen
Gipfel wieder unserem Blick, werden von sich bildenden Wolkenbänken verhüllt
und für einen kurzen Moment meint man, dass das, was bis vor einigen Minuten zu
sehen war, nur eine Illusion gewesen sein kann, denn es ist
schon mehr als Glück, dass wir jetzt im September, also noch mitten in der
Regenzeit, für eine kurze Zeitspanne die Chance bekommen, einen Ausblick zu
geniessen, der sich für immer in meinen Erinnerungen festbrennen wird und mich
davon überzeugt, in einem der nächsten Frühjahre noch einmal wiederkommen zu
müssen, um bei dann besseren Wetterverhältnissen diesen Giganten auf einer
mehrwöchigen Trekkingtour noch näher kommen zu können!