
Australien 6
Am
Vormittag des 17. Mai überqueren wir die Bundesstaatsgrenze und befinden uns
nun in South Australia. Zeit, unsere Uhren um eine halbe Stunde zurückzustellen.
Das jedenfalls empfiehlt uns die freundliche Dame im Information-Center von
Mount Gambier. Australien ist halt so gross (eineinhalb mal
die Fläche von
Europa, also so richtig gross), dass es diverse Zeitzonen gibt. Mount Gambier hält eine weitere Sehenswürdigkeit für uns bereit, den Blue
Lake, einen See in einem Vulkankrater, etwa eintausend Meter im Durchmesser,
fast kreisrund und mehr als zweihundert Meter tief. Daher rührt auch die tief
ultramarinblaue Farbe, die ihm seinen Namen gab. Zumindest in den Sommermonaten,
jetzt, Mitte Mai, hat das Blau einen leicht grauen Einschlag. Trotzdem
beeindruckend. Allein der Gedanke, hindurchzuschwimmen und dabei zweihundert
Meter Wasser und eventuell dieses oder jenes klauenbewehrte Urzeit-Ungeheuer
unter dem Bauch zu haben... . Wir
statten dem hiesigen Office der RAA (Royal Automobile Association) einen Besuch
ab. Als Mitglied des deutschen ADAC wird man hier (sowie in den Büros der
Automobilclubs der übrigen Bundesstaaten) grosszügig und kostenlos mit
ausgezeichneten (definitiv besser und aktueller als das in Deutschland erhältliche
Kartenmaterial über Australien) Strassenkarten versorgt. Wir stauben einen
dicken Stapel im Wert von fast 50 AU$ ab. So, wie wir es erlebt haben, muss man
nicht einmal seinen ADAC-Ausweis vorlegen, es genügt, zu behaupten, dass man
Mitglied sei. Westwärts
geht es weiter entlang der Südküste durch reizende, kleine Küstenorte wie
Millicent, Beachport und Robe. Schliesslich erreichen wir Kingston und am
Ortsausgang erwartet uns rechts neben der Strasse hockend ein fast zehn Meter
hoher Lobster! Es war klar, dass die britischen
Kernwaffentests im südaustralischen Outback in den fünfziger- und sechziger
Jahren irgendwann einmal unerwartete Nachwirkungen zeigen würden! Natürlich
ist dieser rote Riesen-Hummer aus Sperrholz und wird von Spanndrähten gehalten.
„Larry the big lobster“ ist der erste Vertreter seiner Art, dem wir in
Australien begegnen. Verteilt über den Kontinent gibt es Dutzende in ihren
Ausmassen extrem mutierte Tier und Gemüse, vom Koala bis zur Artischocke und
meist befindet sich ein schlichter oder schlechter Imbiss darin oder daneben.
Die Werbewirksamkeit ist kaum zu überbieten. Etwa
zweihundert Kilometer führt der Princess Highway Richtung Adelaide jetzt erst
einmal durch eine Art von Nichts. Endlose Wasserverdunstungsbecken zwischen
Ozean und Strasse, eine zwar grüne aber auch endlose Ebene rechts von uns, die
sich bis zum Horizont erstreckt. Zehn Kilometer vor Tailem Bend biegen wir westwärts
vom Princess Highway ab um auf die Fleurieu Peninsula zu gelangen, die sich südwestlich
von Adelaide sechzig Kilometer weit in den Ozean erstreckt und somit den Golf
von St.
Vincent im Süden umschliesst.
In der kleinen
Ortschaft Wellington müssen wir auf einer (kostenlosen) Pendelfähre den Murray
überqueren, Australiens grössten Fluss (nur etwa so breit wie die Ems, dafür
aber wahrscheinlich zehntausendmal so lang), der hier in den Southern Ocean mündet.
Unser Ziel ist Victor Harbour an der Südküste der Halbinsel. Auf einer
kleinen, vorgelagerten Insel namens Granite Island (genau, überwiegend aus
Granit bestehend), die man über einen langen Damm zu Fuss oder gegen
erpresserischer 5 AU$ in einer pferdegezogenen Trambahn erreichen kann, soll es
eine Kolonie von kleinen Pinguinen geben, die man aus nächster
Nähe beobachten
kann, wenn sie vom Fischfang aus dem Meer zu ihren Höhlen watscheln. Der Wind am heutigen Vormittag ist recht kräftig, um genau zu sein,
es kachelt dermassen, dass man sich dagegen anlehnen muss. Offensichtlich kein
Pinguin-Wetter. Sie vertagen das Fische fangen und bleiben in ihren gemütlichen
Granit-Höhlen. Kaum Robben, keine Pinguine, das ist eine recht magere Ausbeute.
Aber als Entschädigung erwartet uns schliesslich Hahndorf, die älteste überlebende
deutsche Siedlung Australiens! Dreissig Kilometer südöstlich von Adelaide
gelegen, 1730 Einwohner und laut allen Reiseführern eine grosse
Touristenattraktion, manche nennen es sogar den „german theme park“. Nach
zwei Stunden Fahrt durch bergige Landschaft treffen wir in Hahndorf ein.
Scheinbar auch heute eingetroffen sind schätzungsweise fünftausend andere
Besucher, vornehmlich aus Adelaide. Es herrscht reges
Treiben, die Hauptstrasse
ist bunt bevölkert. Innerhalb von Sekunden sind wir total ernüchtert.
Hahndorf sieht nach allem Möglichen aus, nur nicht nach deutschem Dorf. Sicher,
die Fleischerei bietet „German Mettwurst“ feil, in den Restaurants kann man
„German Würstchen with Sauerkraut“ oder „Leberkäse and Kartoffelsalat“
zum Preis einer üppigen Portion Beluga-Kaviar bestellen und ein Laden erweist
sich gar als Spezialwerkstatt von cuckoo-clocks(!), aber letztendlich sehen wir
hier mehr Asiaten, Italiener und Griechen als Nachfahren deutscher Siedler.
Touri-Nepp. Im ganz grossen Stil. Und erfolgreich. Wir raten dringlichst von
einem Besuch ab. Knappe
dreissig Kilometer sind es jetzt noch bis Adelaide, der Hauptstadt des
Bundesstaates South Australia. Vorher gibt es noch eine Hügelkette zu überqueren
von deren Kamm aus man etwa zehn Kilometer weit ein 7%-Gefälle herunterfährt.
Für den Fall, dass die
Bremsen eines Trucks überfordert werden, gibt es an
einigen Stellen steil ansteigende mit Kies ausgelegte Notbrems-Betten, deren
Beschaffenheit eine rege Benutzung vermuten lässt. Adelaide
hat zwar mehr als eine Million Einwohner, wirkt aber auf Grund der wenigen
wirklich imposanten Gebäude eher provinziell. Die Innenstadt weist erstaunliche
1800 Morgen Parkfläche auf. Es gibt gleich zwei Zentren mit schachbrettartig
angelegten Strassenplänen, getrennt voneinander durch einen breiten Grünstreifen
der vom Torrens River geteilt wird. Beide Zentren sind nach aussen wiederum von
Parkflächen eingeschlossen, so dass man erstaunlicherweise von fast jedem Punkt
aus irgendwie ins Grüne schaut. Und zwar in richtig saftiges Grün, obwohl
Adelaide eigentlich nicht mit nennenswerten Regenfällen gesegnet ist. Tip für
Traveller: Im Park zwischen den Zentren gibt es Parkplätze, die man kostenlos
nutzen und dann, von diesem wirklich zentralen Punkt aus, alle wichtigen Stellen
der City zu Fuss erreichen kann. Da wir schon diverse Wochen in Melbourne und
Sydney verbracht haben, steht uns nicht wirklich der Sinn nach Grosstadt und
Trubel, wir sehen also zu, dass wir die Stadt (die sicher einen mehrtägigen
Aufenthalt wert ist, obwohl sie trotz ihrer Grösse keinen besonderen
kulturellen oder gesellschaftlichen Stellenwert in Australien besitzt) Richtung
Norden verlassen und verbringen eine stürmische Nacht an der Marina
des fünfzehn
Kilometer stadtauswärts liegenden St Kilda. Zweihundert
Kilometer nördlich von Adelaide soll es wieder einmal australische Fauna in Hülle
und Fülle zu sehen geben. Das Ende der eine Meile langen Mole von Port Germein
(und damit längste hölzerne Mole Australiens) scheint beliebter Treffpunkt der
örtlichen Delphin-Gangs zu sein. Der Versuch, ihrer ansichtig zu werden, ist
nach Robben und Pinguinen unser dritter Schuss in den Ofen. Als wir auf dem
Parkplatz nahe der Mole ankommen, ziehen sich dräuend dunkle Wolken über dem
Meer zusammen und kaum sind wir hundert Meter von Maggie entfernt, geht ein
gewaltiger Wolkenbruch auf uns hernieder. Seit Monaten hat es hier nicht
geregnet, aber kaum sind wir da, wird alles weggeschwemmt. In einem
Wellblechunterstand treffen wir auf einen ausgewanderten Kanadier mit Familie,
der seit einigen Jahren nicht weit von hier sein neues Zuhause gefunden hat. Er
zerstört unsere Illusionen auf ein baldiges Ende der Sintflut. „Hier regnet
es selten, aber wenn, dann richtig. Richtig lange!“ Also
verzichten wir nun auch
auf die Delphine und fahren entlang der Küste des
Spencer-Golfes nach Norden bis Port Augusta, dem Tor zum Outback. Gegründet
1854 ist es heute Treffpunkt für alle Traveller, die sich in das australische
Zentrum, das Outback, vorwagen wollen. Sei es auf dem mehr als 3000 Kilometer
langen, durchgehend geteerten Stuart-Highway Richtung Nordwest über Alice
Springs bis nach Darwin an der Nordküste, den gut ausgebauten Strecken nach
West-Australien oder ostwärts nach New South Wales. Für den Abenteuerlustigen
gibt es aber noch unberührtere, weniger gut ausgebaute Tracks ins Herz des
Kontinentes. Karten und Infos über den Zustand dieser Tracks, sowie Auskünfte
über spezielle Genehmigungen für die geplante Route erhält man im (wie immer
exzellenten) Information-Center. Unsere erste Route: 400 Kilometer zwischen dem
Torres- und dem From-Salzsee nach Norden bis Lyndhurst, und dann auf ungeteerten
Pisten 500 Kilometer Richtung Nordwest entlang der Grenze der verbotenen
Woomera-Zone bis in die Opal-Digger Stadt Coober Pedy und
somit wieder auf den
Stuart Highway. Dieser Teil des Oodnadatta-Tracks ist nach
Auskunft des Information Center im Moment mit einem Allrad-Fahrzeug problemlos
zu bewältigen. Wir sollen uns jedoch jeden Tag in einem der Outposts über Veränderungen
informieren. Die nette Mitarbeiterin des Centers erkundigt sich besorgt, wie
viele Ersatzreifen wir mit uns führen. Zwei sollten es schon sein, da Teile des
Tracks ziemlich steinig seien. Sie drückt uns noch eine
Outback-Sicherheitsbroschüre in die Hand (für alle Fälle), in der alles
aufgeführt ist, was zum sicheren Befahren des Outbacks notwendig ist. Am frühen
Morgen fahren wir los, mit gefülltem Kühlschrank, vollen Wasser- und
Dieseltanks. Nicht, dass unterwegs nirgendwo etwas zu bekommen wäre, so
unbelebt ist das Outback auch nicht. Irgendwo im Umkreis von 300 Kilometern gibt
es immer eine Tankstelle oder ein Lebensmittelgeschäft. Aber was man hat, das
hat man und ausserdem bekommen wir von zwei Österreichern, die gerade von
Darwin nach Adelaide unterwegs sind, den Tip, dass der Diesel im Outback satte
30 Cent
teurer ist als üblich. Also, alles rein in Tank und Kanister, was geht.
Über Quorn geht’s nach Hawker und von dort aus in den
Flinders-Range National Park. Ab Wilpena ist dann Schluss mit geteerten
Strassen. Wir erkundigen uns im National Park Headquarter nach den
Track-Conditions und erfahren, das Aufgrund des heftigen Regenfalles von vor
zwei Tagen ein Track nach Blinman, dem ersten Ort jenseits der nördlichen
Parkgrenze, gesperrt werden musste. Der zweite, alternative, sei zwar etwas
rutschig, aber mit Allradfahrzeugen befahrbar. Genauso sieht´s aus, die
Feuchtigkeit ist noch nicht ganz in den Boden gezogen und wir sauen Maggie erst
mal richtig mit roten Schlamm ein. Um uns herum bis zu 1100 Meter ansteigende,
karge Bergkämme, dazwischen jedoch immer noch eine Menge Büsche und Bäume.
Der Track führt bergauf und bergab, immer wieder durch Furten von Bachläufen,
die im Moment aber nur wenig Wasser führen. Auf dem Weg von Blinman nach
Lyndhurst wird’s dann immer trostloser und trockener, die Hügel um uns herum
immer niedriger und schliesslich befinden wir uns in einer
endlosen Ebene.
Wenig Abwechselung für die nächsten paar hundert Kilometer. Ein
paar Emus veranstalten ein Wettrennen mit uns und kreuzen direkt vor Maggie die
Strasse. Wir wussten zwar, dass diese Laufvögel ganz schön Gas geben können,
aber so schnell? Unfassbar. Die beiden
einzigen Orte auf den nächsten 300 Kilometern sind Marree mit achtzig
Einwohnern und William Creek, das es auf gerade mal zwölf Einheimische bringt.
Dieses Dutzend Menschen schafft es immerhin, ein Hotel, einen Pub, einen General
Store, eine Tankstelle, 2 (!) Campingplätze (nicht besonders frequentiert, da
sehr staubig, ausserdem ist der Durchgangsverkehr hier nicht so rege), eine
Chartermaschine für Rundflüge, zwei öffentliche Toiletten und (kein Scherz)
einen 9-Loch Wüsten-Golfplatz (kein Gras, ebenfalls sehr
staubig) zu betreiben.
Hut ab! Es wird
Zeit, die Geissel des Outbacks vorzustellen: Die australische Fliege. Etwa halb
so gross wie unsere Stubenfliege. Ihr Hauptdaseinszweck besteht darin, Menschen
um den Verstand zu bringen. Spätestens fünf Sekunden nach Verlassen des schützenden
Fahrzeuges hat dich die erste entdeckt. Relativ schnell erscheinen zwanzig bis
zweihundert ihrer Artgenossen. Sie sind auf der Suche nach Feuchtigkeit und
wissen genau, wo sie zu finden ist. In jeder erreichbaren menschlichen Körperöffnung.
Man ist ständig damit beschäftigt, die kleinen Racker davon abzuhalten, es
sich in Mund, Nase und Ohr gemütlich zu machen. Allein der Gedanke, hier im
Freien ein grosses Geschäft verrichten zu müssen , bereitet mir Unwohlsein.
Sogar auf die Augäpfel haben sie es abgesehen. Da nutzt auch kein Zwinkern, es
hat nur zur Folge, dass man Reste zermatschter Fliege mit spitzen Fingern unter
dem Augenlid wegpulen muss. Was kurzfristig hilft, ist wildes Wedeln mit den
Armen vor dem Gesicht. Macht hier jeder
und hat sogar seinen eigenen Namen: Der
Buschgruss. Die
trockene Trostlosigkeit breitet sich um uns aus. Bis zum Horizont. Und wenn man
endlich dort ist, bis zum nächsten Horizont. Über jede kleine Abwechselung ist
man dankbar. Beispielsweise den Überflug einer Maschine des Royal Flying Doctor
Service. Der diensthabende Allroundmediziner ist vielleicht gerade auf dem Weg
zur 1 ½ Flugstunden ostwärts liegenden McCormack Farm, weil Schafscherer Ian
mal wieder zwei seiner noch übrigen Finger in die Schermaschine bekommen hat.
Vielleicht ist aber auch Gayle, die Frau des Ranchers, beim Aufräumen der
Garage von einer gemeinen White Tail Spider gebissen worden. Wer weiss? Ab und an
gibt´s ein paar Tiere zu sehen. Zum Beispiel den mächtigen Adler, der in der Nähe
eines Kaninchenbaues hockt und auf das Herauskommen seines Frühstückes wartet.
Bis auf drei Meter lässt mich der König der Wüstenlüfte an sich herankommen.
Dann trete ich
angesichts der schraubstockstarken Krallen und seinem mordlüsternen
Blick den strategischen Rückzug an. Knappe hundert Kilometer
westlich von William Creek passieren wir den „Dog Fence“, einen sage und
schreibe 9600 Kilometer langen Zaun, der von Surfers Paradise in Queensland an
der Pazifikküste quer durch den Kontinent bis in den Bundesstaat West-Australia
verläuft. Nördlich des Zaunes: Dingos (die australischen Wildhunde) und
Rinderherden (Rinder können sich gegen Dingos gut zur Wehr setzen). Südlich
des Zaunes: Schafe, keine Dingos (Schafe sind definitiv zu blöd, sich zu
wehren). Der „Dog Fence“ sorgt also dafür, dass auch in Zukunft alle
Tiergruppen dort bleiben, wo sie hingehören. Pfiffige, wenn auch aufwendige Lösung.
Etwas nördlich des „Dog Fence“ sehen wir unseren ersten Dingo in freier
Wildbahn. Die Kerlchen sind niedlich, nicht ungefährlich, aber scheu. Ausserdem
können sie nicht bellen. Oder wollen es nicht. Bei den schwarz gefärbten
Exemplaren, die uns über den Weg laufen, ist offensichtlich ein domestizierter
Haus- und Hütehund in den Stammbaum geraten, da Dingos
eigentlich ein
mittelbraunes Fell haben. Ich hatte
schon erwähnt, das Kangoroos eine echte Gefahr für Autofahrer darstellen und
es häufig zu katastrophalen Zusammenstössen kommt. Auch hier sehen wir viele
Kadaver neben dem Track liegen. Das muss man sich einmal vorstellen . Wir
befinden uns in einem Gebiet, in dem man in der Regel im Umkreis von zwanzig
Kilometern das einzige Fahrzeug ist. Wieviele Kangoroos müssen auf einem
zwanzig Kilometer langen Wegabschnitt über den Track hüpfen, damit eines
dieser Tiere von dem einen Fahrzeug erwischt wird, das sich gerade irgendwo auf
diesem zwanzig Kilometer Abschnitt befindet. Das kann doch kein Zufall sein, da
steckt doch Methode dahinter! Aber mal ganz im Ernst. So richtig kann es keiner
erklären, warum die Beutler (es muss sich um eine den Lemmingen verwandte Art
handeln) genau dann auf die Strasse springen, wenn man an ihnen vorbeifährt.
Die Gefahr ist am größten in den Dämmerungsstunden. Man schont also Nerven
und Material, wenn man rechtzeitig einen Platz zum campen sucht. Wir
erreichen die Opalfelder von Coober Pedy. Wie ein Meer von Maulwurfshügeln
mutet dieses Gebiet an. In einer Umgebung von 15 Kilometern um den Ort Coober
Pedy herum versuchen etwa 2000 Digger, eingewandert aus 45 Ländern, die weissen
Opale aus dem Boden zu holen, die man hier finden kann. Die Betonung liegt
hierbei auf kann. Vor etwa 150 Millionen Jahren war das alles hier Teil eines
Ozeans, der dann irgendwann verschwand, durch den getrockneten und dabei
aufgerissenen ehemaligen Meeresboden sickerte Regenwasser, löste dabei
Silicate, die sich in Hohlräumen und Rissen zwischen drei und dreissig Metern
unterhalb der Oberfläche wieder absetzten und in den darauffolgenden paar
Jahren (sofern sich ihre Molekulare
Struktur zur Zufriedenheit entwickelte) zu
Schichten von Opalen wurden. Nirgendwo auf diesem Planeten
werden derart viele Opale ans Tageslicht gebracht wie in Coober Pedy. Was aber
nicht heisst, dass es hier besonders viele Millionäre gäbe. Ross, Coober Pedy
Urgestein und Betreiber eines Mining-Ausrüstungsshops mit Werkstatt, erklärt
uns, warum. Opal-mining besteht zu 5% aus knochenharter Arbeit und zu 95% aus Glück.
Was zur Folge hat, dass nur 5% der Digger zu mehr oder weniger reichen Leuten
werden, 45% gerade davon leben können und 50% relativ schnell pleite gehen oder
das Handtuch schmeissen. Auf gut Glück, oder wenn einen der gute Riecher dazu
veranlasst, werden dreissig Meter tiefe Probebohrungen gemacht und daran
entschieden, ob und in welcher Tiefe Gestein abgetragen, nach oben befördert
und in grossen, hässlichen selbstgebauten Maschinen erst automatisch grob
sortiert und dann in einem in einem kleinen (2x2x2m), stickigen sogenannten
Darkroom auf einem Fliessband unter UV-Licht nach Opalen durchsucht wird. Bei
der derzeitigen Weltwirtschaftslage sind die Rohpreise für Opale übrigens im
Keller und so schnell wird sich, nach Ross´ Meinung, auch nichts daran ändern.
Man hatte in Coober Pedy ziemlich schnell festgestellt, dass es in den Stollen
und Grabungshöhlen, den sogenannten Dugouts, kühler als unter der gnadenlosen
Outbacksonne ist. Daher haben sich viele Digger häuslich in
diesen Dugouts eingerichtet. Es gibt sogar Kirchen, Töpfereien und Läden und
Restaurants unter der Erde. So rau wie das Klima sind hier auch die Menschen.
Der für Digger leicht mögliche Erwerb von Explosivstoffen ist Grund dafür,
dass seit 1987 zweimal die Polizeistation, einmal die Redaktion der örtlichen
Tageszeitung, das Gerichtsgebäude, ein Restaurant und mining-Equipment im Wert
von Hunderttausenden von Dollar in die Luft flogen. Ein probates Mittel also,
seinen Unmut zu äussern. Ah, ich vergass, die beiden Polizeiautos zu erwähnen,
die auch explodierten. Die Bezirksregierung behauptet zwar, dass die Wild-West
Tage in Coober Pedy inzwischen vorbei seien, wir jedoch lesen in der aktuellen
Tageszeitung, dass sich Leser über die Schurken beschweren, die am frühen
Morgen des vorigen Tages alle Anwohner mittels eines Dynamit-Feuerwerkes im
Ortszentrum aufweckten. Hier ist halt immer was los. Übrigens, ein precious
stones prospecting permit (Schürferlaubnis für Edelsteine) erteilt das
P.I.R.S.A. (Primary Industries and Resources of South Australia) Office für
preisgünstige 43 AU$. Dafür sollte man aber mindestens den Status „permanent
resident“ haben. Die Claims (50x50 Meter), auf denen man
graben möchte und die man sich nach Gutdünken abstecken und registrieren
lassen kann, mietet man für lächerliche 18AU$ pro Vierteljahr. Dann darf man
dort soviel buddeln wie man will. Alle neuen
und alten Claims sind inzwischen
umzäunt, mit Warnschildern versehen und Touristen ist das Betreten verboten.
Sie hatten es sich zum Sport gemacht, beim Fotografieren der Claims in alte, bis
zu 35 Meter tiefe Schächte zu fallen und sich dabei, wenn nicht das Genick,
dann eine stattliche Anzahl anderer Knochen zu brechen. Der rechtliche Besitzer
dieser Claims, also der Bundesstaat South Australia, hatte irgendwann (verständlicherweise)
keine Lust mehr, sich mit den daraus ergebenden Regressansprüchen
herumzuplagen. Ab dem 150
Seelen Nest Marla gibt es keine akzeptable ungeteerte Nebenstrecke mehr und so müssen
wir notgedrungen den Stuart-Highway Richtung Norden benutzen. Nach ein paar
Hundert Kilometern überqueren wir die
Grenze zwischen dem Bundesstaat
South-Australia und dem Northern Territory. Abgesehen von
seinen klaren schnurgeraden Grenzen ist das Northern Territory (20% der Gesamtfläche
Australiens, aber nur 190.000 Einwohner, von denen die Hälfte in der Hauptstadt
Darwin lebt) nur schwer zu fassen und eher nebulös. Es ist nämlich kein
australischer Bundesstaat. Bis 1978 wurde es vom Federal Government in Canberra
verwaltet. Seitdem regiert es sich zwar selbst, Canberra kann aber immer noch
viel mehr in die inneren Geschicke hineinreden, als bei den anderen
„richtigen“ Bundesstaaten. Der Versuch, es 1998 per Volksabstimmung zu einem
Bundesstaat zu machen, schlug fehl, da die 190.000 Einwohner nicht mitspielten.
Sie fühlen sich wohl mit ihrem Status als Territory. In das Parlament nach
Canberra entsendet das Northern Territory nur einen Repräsentanten und zwei
Senatoren (als Bundesstaat würden ihm zumindest zwölf Senatorenplätze
zustehen), die aber bei Abstimmungen nicht mitmachen dürfen und auch in keinem
Gremium sitzen. Sie halten, mehr oder weniger, ihre Sessel warm. Wir
befinden uns nun also in diesem merkwürdigen Territory, das zu 75% aus Wüste
und Halbwüste sowie zu 25% aus tropischen Gebieten besteht (der Bereich der
Nordküste um Darwin). Auf dem Boden des
Northern Territory
befindet sich allerdings auch die bekannteste Sehenswürdigkeit Australiens
(unser nächstes Reiseziel), der Uluru. Vielleicht sollte ich Ayers Rock sagen,
aber ich werde bei der traditionellen Aboriginee Bezeichnung bleiben, was auch
dem allgemeinen australischen Sprachgebrauch entspricht. Für viele Menschen hängen
die Namen Alice Springs und Uluru untrennbar zusammen: Alice Springs, die
touristische Stadt mit grossem Flughafen mitten im Zentrum Australiens und Uluru,
der grosse rote Monolith, zu dem man von Alice Springs aus rüberfährt. Schuld
daran sind (und man möge es ihnen verzeihen) die Australier mit ihrer ganz
eigenen Definition von Distanzen. Dem Standardurlauber (mit dem Flugzeug in
Sydney eintreffen und dann drei Wochen Zeit, ein Land zu bereisen, das grösser
ist als die kompletten Vereinigten Staaten von Amerika) wird suggeriert, er könne
per Drei-Stunden Flug von Sydney nach Alice Springs kommen, sich einen Mietwagen
nehmen und rüber zum Uluru fahren. So sieht das ein Australier auch, für den
sind die 450 Kilometer Entfernung (hin und zurück also schlappe 900 Km !) ein
Katzensprung. Der Uluru
liegt am Ende des Lassiter Highways, der zweihundert Kilometer südlich von
Alice Springs vom Stuart Higway abzweigt und nach Westen führt. Wir biegen also
gehorsam auf den
Lassiter Highway ab, der dummerweise (aber touristengemäss)
asphaltiert ist. Es gibt zwei sogenannte Homesteads auf der
Strecke, an eine Farm angegliederte Rasthäuser mit Pub, Hotelzimmern und einem
Campingplatz mit Dusche und Toilette. Das Campen bzw. über Nacht stehen mit
einem Wohnmobil ist bei beiden kostenlos. Von hier aus kann man so weit man möchte
in der Gegend rumspazieren und sich grenzenlos einsam fühlen. Wenn man nicht
gerade auf vier oder fünf Rinder stösst, die auf einer der Weiden leben, die
so gross sind, wie ein halbes Dutzend deutscher Bauernhöfe. Für mehr Vieh
reicht der essbare Bewuchs dieser Weiden einfach nicht. So ein Spaziergang ist
so ziemlich das spannendste, das einem auf den 250 Kilometern bis zum Uluru
widerfährt. Nein, nicht ganz richtig. Hatte ich von den Road Trains berichtet?
Den Begriff hat bestimmt jeder schon einmal gehört, aber wer einen Road Train
gesehen hat, wird dieses Wort in Zukunft mit Ehrfurcht aussprechen. Grob gesagt sind es unglaublich lange LKW (im Schnitt um die 55
Meter), bestehend aus gewaltiger Zugmaschine (lässt Männerherzen höher
schlagen) und bis zu vier miteinander verbundenen Anhängern. Auf den wenigen
Strassen durch das Outback transportieren sie Güter von Nord nach Süd und West
nach Ost. Vor den Städten an den Enden der Strecken gibt es Road Train
Assembling Areas, in denen sie zusammengesetzt bzw. wieder auseinandergenommen
und auf mehrere Zugmaschinen verteilt werden. Die Krönung des Ganzen, die uns
auf einer Tankstelle begegnete, war ein Tanklastzug mit vier
aneinandergekoppelten Tankaufliegern voller Sprit. Länge circa siebzig Meter,
Gewicht um die einhundertfünfzig Tonnen. Damit wären wir beim Problem. Road
Trains bremsen nicht gerne, ausser zum rasten oder am Ziel. Für nichts und
niemanden. Viele Tiere bleiben auf der Strecke, nicht einmal eine Kuh könnte
einen Road Train aus der Bahn bringen. Wennschon ein Treffen mit einem dieser
Giganten für uns und Elf-Tonnen-Maggie nicht ganz so schlimm ist, für PKW ist
es sicher erschütternd. Wenn man ihn in der ferne sieht, sollte man langsamer
werden, soweit wie möglich nach links fahren oder gleich ganz anhalten. Road
Trains fahren mit einer
Geschwindigkeit von 100 – 110 km/h.
Wenn sie dich passieren, prallt ein harter Schlag aufgestauter Luft auf dich und
dein Fahrzeug, dann gerätst du in den Sog des Fahrzeugendes, wirst also schlimm
durchgeschüttelt und bist froh, dein Fahrzeug nach dem Aufeinandertreffen noch
unter Kontrolle bzw. auf der Fahrbahn zu haben. Zurück
zum Uluru. Gegen Mittag sehen wir ihn zum ersten Mal am Horizont erscheinen.
Dann bleibt er für längere Zeit bis auf einige kurze Blickkontakte
verschwunden, da der Lassiter-Highway ihn nördlich umgeht, um sich dann von
Nordwesten aus zu nähern. Zwanzig Kilometer vor dem Uluru landet man in Yulara,
dem eigens für Touristen erschaffenen Dorf, das wenig einladende Wüstenlandschaft
in eine für normale Reisende erträgliche Umgebung verwandelt. Hier gibt es
alles, was der Uluru Besucher braucht. Einkaufszentrum, Restaurants, Bars,
Mietwagenagenturen, Anbieter von Helikopter-Rundflügen und eine Handvoll
Hotels, natürlich mit Pool. Die Preise für eine Nacht sind erschütternd.
Billige
Doppelzimmer von 360 – 450 AU$, teure bis 900 AU$.
Wer kein Zelt oder Wohnmobil hat muss halt leiden. Ganz ungeschoren bleiben wir
allerdings auch nicht. Ab etwa zehn Kilometer vor Yulara wird dem Besucher auf
grossen Schildern klargemacht, dass freies campen im Grossraum Uluru bei Strafe
untersagt ist. Gezwungenermassen müssen wir uns auf den „Ayers Rock Resort
Camp Ground“ stellen, für 27 AU$ die Nacht. Ich muss allerdings gestehen,
dass er erstklassig ausgestattet ist. Aber
zuerst wollen wir natürlich den Fels sehen, dafür sind wir schliesslich
hergekommen. Etwa fünf Kilometer südlich von Yulara beginnt der „Uluru Kata
Tutja National Park“, Eintritt 16 AU$ pro Nase, ist aber okay, da für drei
Tage gültig. Als die Engländer Australien ab dem Ende des 18. Jahrhunderts
besiedelten, nahmen sie den Ureinwohnern, den
Aboriginee (die, wie wir heute wissen, seit mehr als 50.000 Jahren auf
dem Kontinent beheimatet sind) ihr Land einfach weg (die typische
Kolonialpolitik). Wegnehmen ist vielleicht nicht das richtige Wort, weil
Grundeigentum den Aboriginee völlig fremd ist, da ihrem Glauben nach Land nicht
den Bewohnern gehört, sondern die Bewohner dem Land, da sie von ihm geformt
werden und nur ein Teil allen Lebens sind. Einigen wir uns also darauf, dass die
Engländer sie aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben haben. Schon bald
nach dem zweiten Weltkrieg bildete sich, angeführt von gebildeten und besser
organisierten Aboriginee eine Landrechtsbewegung, die nach mehreren von der
Regierung abschlägig beschiedenen Petitionen zumindest im Northern Territory
zum „Land Right Act“ führte, dass den Ureinwohnern das Einfordern von
Landgebieten erlaubt, aber schwammig ist und
ständig unterlaufen wird.
Die Aboriginee können sowieso nur Land einfordern, das ausserhalb
von Städten liegt und keine privaten Besitzer oder Pächter hat, also
gemeinerweise nur ödes Wüstenland. Als man nun den Uluru (ihre bedeutendste
religiöse Stätte) und das umliegende Land einforderte, wurde dies abgelehnt,
weil es sich um einen Nationalpark handelt. Das führte nun aber doch auch zu
Unruhen unter den übrigen Bewohnern Australiens und so kam es 1985 zu einer Art
Kompromiss. Der Uluru und Umgebung wurde den Aboriginee übergeben, allerdings
unter der Auflage, dass diese ihn für die folgenden 99 Jahre der Regierung
verpachten, um weiterhin den Nationalpark (eine nicht unbeträchtliche
Einnahmequelle) zu betreiben. Die Aboriginee dürfen jedoch, wann immer sie
wollen, ihre Zeremonien (Initiationsriten etc.) am Uluru durchführen, die
entsprechenden Gebiete werden dann für Besucher gesperrt. Genug der
geschichtlichen Fakten. Vom Parkeingang bis zum Uluru sind es etwa 15 Kilometer.
Je näher man ihm kommt, desto gewaltiger wirkt er. Wirklich ein mächtiger
Stein. Besser gesagt, der weltgrösste Monolith; Zwei Drittel seiner
Gesamtmasse
werden unter der Erde vermutet. In Jahrmillionen wurde hier
der Boden durch Erosion abgetragen und der grosse Stein, der vorher unter der
Oberfläche lag, rückte ans Licht (jegliche Behauptungen, Sternenreisende einer
fremden Galaxis hätten ihn hier abgeworfen, können wir getrost als eher
unwahrscheinlich bewerten). Er sieht genauso aus, wie man ihn kennt von den unzähligen
Abbildungen, die man im Laufe seines Lebens von ihm gesehen hat. Er ist in der
Mittagssonne von einer rötlich-braunen Farbe und wenn man dicht vor ihm steht,
merkt man, dass er nicht so glatt ist, wie er auf Fotos aussieht. Voller Risse,
Löcher und Höhlungen, aber genau das macht ihn nur noch um so sympathischer.
Nichtsdestotrotz ist er enorm beeindruckend. Wir machen die grosse Runde, den
„Base Walk“, einen Spaziergang von zehn Kilometern Länge um den Uluru
herum, um ihn aus allen Blickwinkeln betrachten zu können und Fotos zu machen.
An manchen Stellen, die rituellen Handlungen der Aboriginee vorbehalten sind,
ist dies verboten, aber das ist auch ganz richtig so. leider nicht verboten ist
es, auf den Uluru hinauf zu klettern. Einerseits ist es gefährlich. Er ist 348
Meter hoch, es gibt keine Stufen, man muss sich über längere Strecken an einer
fest angebrachten Kette hochziehen, runter ist die Geschichte sicher noch
unangenehmer als hoch und heiss ist es sowieso immer. Obwohl der Aufstieg bei zu
hohen Temperaturen oder Windgeschwindigkeiten von über 50 km/h auf dem Gipfel
gesperrt wird, sind bei dem Versuch, den Fels zu besteigen, bis heute 47
Menschen gestorben und eine sehr hohe Anzahl teils schwer verletzt worden. Dies
ist aber nicht der eigentlich springende Punkt. Die
Aboriginee sehen es nicht gerne, wenn man auf ihren Uluru steigt. Sie verstehen
auch nicht, warum die Touristen das tun (ich übrigens auch nicht, von oben
sieht man eh nur dasselbe, wie auf den letzten eintausend gefahrenen Kilometern:
Wenig fruchtbares, spärlich bewachsenes Outback). Die Aboriginee verbieten
jedoch das Besteigen nicht, sie bitten nur darum, es nicht zu tun und zu
respektieren, dass der Uluru ihr heiliger Berg ist, den man sich gerne von unten
anschauen darf. Darum kümmern sich die meisten Touristen einen Dreck und
klettern trotzdem hoch. Viele überschätzen sich, bekommen vor Überanstrengung
einen Herzinfarkt oder stürzen ab (selber schuld). Und jedes Mal, wenn ein
Besucher getötet oder verletzt wird, sind die Aboriginee schwer betroffen, weil
es in ihrem Verantwortungsgebiet passiert ist und sie es nicht verhindern
konnten. Marcus und ich werden ihren heiligen Felsen nicht besteigen,
schliesslich haben wir im Verlauf unserer reise in den islamischen Moscheen auch
keine Trinklieder zum Besten gegeben. Wir haben gelernt, was Respekt ist. Zum
Sonnenuntergang treffen sich alle Touristen auf der „Sunset View Park Area“
(etwa drei Kilometer westlich des Uluru), um von dort aus den unglaublichen
Farbwechsel des Monolithen bei untergehender Sonne miterleben zu können. Ein
tief beeindruckendes Schauspiel, wie sich das
rötlich-braun langsam in ein tief
leuchtendes Rot verwandelt. Mit Stativ und Kamera zu Gast auf
Maggies Dach ist Sebastian aus Duisburg, seit zehn Monaten auf einem Rundtrip in
Australien, im Moment mit einer Honda XR-250, die er in Perth gekauft hat.
Unten tummeln sich zu viele Leute, hier oben ist es ruhiger. Am frühen
Morgen des nächsten Tages gibt es das gleiche Schauspiel noch mal, in
umgekehrter Reihenfolge. Um 6.30 Uhr fahren wir in den Park zur „Sunrise
Viewing Area“ auf der Ostseite des Felsens, um mit allen anderen Frühaufstehern
beim Sonnenaufgang um 7.19 Uhr mitzuerleben, wie der Uluru scheinbar von innen
heraus rot zu glühen beginnt. Ein unvergessliches Erlebnis. Auch für heute
Morgen hat sich Sebastian (mit dem wir am Abend vorher ordentlich einen
weggezwitschert haben) wieder einen Platz auf Maggies Dach reserviert. Dazu
gesellt sich noch ein junger Engländer, ebenfalls mit Stativ und Kamera. Wir
sollten über einen einträglichen Nebenerwerb als Aussichtsplattform
nachdenken. Als der Uluru wieder seine übliche rotbraune
Farbe angenommen hat, fahren wir gemeinsam mit Sebastian zu den dreissig
Kilometer westlich gelegenen Kata Tjuta (viele Köpfe), einer bizarren
Ansammlung vieler Monolithen, von denen der grösste und imposanteste mit 546
Metern sogar noch zweihundert Meter höher als der Uluru ist. Die Kata Tjuta
werden von den meisten Touristen links liegen gelassen, obwohl sie optisch sogar
noch interessanter als der Uluru
sind, wovon man sich auf dem neun Kilometer
langen „Valley of the Winds Walk“, der bergauf und bergab zwischen einigen
der Monolithen entlang führt, gründlich überzeugen kann. Sebastian,
der sich von dem langen Ritt durch das Outback schon Schwielen am Hintern geholt
hat, wird für die nächsten Tage unser Reisebegleiter sein und die
Annehmlichkeiten des LKW-Travelns kennenlernen. Seine Honda
schieben wir in den hinteren Teil von Maggies Führerhaus (passt wie dafür
gemacht), packen Lebensmittel für die nächsten Tage in den Kühlschrank und
verabschieden uns von Uluru und Ayers Rock Resort Camp Ground Richtung Alice
Springs.