Australien 6

 

Am Vormittag des 17. Mai überqueren wir die Bundesstaatsgrenze und befinden uns nun in South Australia. Zeit, unsere Uhren um eine halbe Stunde zurückzustellen. Das jedenfalls empfiehlt uns die freundliche Dame im Information-Center von Mount Gambier. Australien ist halt so gross (eineinhalb mal die Fläche von Europa, also so richtig gross), dass es diverse Zeitzonen gibt. Mount Gambier hält eine weitere Sehenswürdigkeit für uns bereit, den Blue Lake, einen See in einem Vulkankrater, etwa eintausend Meter im Durchmesser, fast kreisrund und mehr als zweihundert Meter tief. Daher rührt auch die tief ultramarinblaue Farbe, die ihm seinen Namen gab. Zumindest in den Sommermonaten, jetzt, Mitte Mai, hat das Blau einen leicht grauen Einschlag. Trotzdem beeindruckend. Allein der Gedanke, hindurchzuschwimmen und dabei zweihundert Meter Wasser und eventuell dieses oder jenes klauenbewehrte Urzeit-Ungeheuer unter dem Bauch zu haben... . Wir statten dem hiesigen Office der RAA (Royal Automobile Association) einen Besuch ab. Als Mitglied des deutschen ADAC wird man hier (sowie in den Büros der Automobilclubs der übrigen Bundesstaaten) grosszügig und kostenlos mit ausgezeichneten (definitiv besser und aktueller als das in Deutschland erhältliche Kartenmaterial über Australien) Strassenkarten versorgt. Wir stauben einen dicken Stapel im Wert von fast 50 AU$ ab. So, wie wir es erlebt haben, muss man nicht einmal seinen ADAC-Ausweis vorlegen, es genügt, zu behaupten, dass man Mitglied sei. Westwärts geht es weiter entlang der Südküste durch reizende, kleine Küstenorte wie Millicent, Beachport und Robe. Schliesslich erreichen wir Kingston und am Ortsausgang erwartet uns rechts neben der Strasse hockend ein fast zehn Meter hoher Lobster! Es war klar, dass die britischen Kernwaffentests im südaustralischen Outback in den fünfziger- und sechziger Jahren irgendwann einmal unerwartete Nachwirkungen zeigen würden! Natürlich ist dieser rote Riesen-Hummer aus Sperrholz und wird von Spanndrähten gehalten. „Larry the big lobster“ ist der erste Vertreter seiner Art, dem wir in Australien begegnen. Verteilt über den Kontinent gibt es Dutzende in ihren Ausmassen extrem mutierte Tier und Gemüse, vom Koala bis zur Artischocke und meist befindet sich ein schlichter oder schlechter Imbiss darin oder daneben. Die Werbewirksamkeit ist kaum zu überbieten. Etwa zweihundert Kilometer führt der Princess Highway Richtung Adelaide jetzt erst einmal durch eine Art von Nichts. Endlose Wasserverdunstungsbecken zwischen Ozean und Strasse, eine zwar grüne aber auch endlose Ebene rechts von uns, die sich bis zum Horizont erstreckt. Zehn Kilometer vor Tailem Bend biegen wir westwärts vom Princess Highway ab um auf die Fleurieu Peninsula zu gelangen, die sich südwestlich von Adelaide sechzig Kilometer weit in den Ozean erstreckt und somit den Golf von St. Vincent im Süden umschliesst. In der kleinen Ortschaft Wellington müssen wir auf einer (kostenlosen) Pendelfähre den Murray überqueren, Australiens grössten Fluss (nur etwa so breit wie die Ems, dafür aber wahrscheinlich zehntausendmal so lang), der hier in den Southern Ocean mündet. Unser Ziel ist Victor Harbour an der Südküste der Halbinsel. Auf einer kleinen, vorgelagerten Insel namens Granite Island (genau, überwiegend aus Granit bestehend), die man über einen langen Damm zu Fuss oder gegen erpresserischer 5 AU$ in einer pferdegezogenen Trambahn erreichen kann, soll es eine Kolonie von kleinen Pinguinen geben, die man aus nächster Nähe beobachten kann, wenn sie vom Fischfang aus dem Meer zu ihren Höhlen watscheln. Der Wind am heutigen Vormittag ist recht kräftig, um genau zu sein, es kachelt dermassen, dass man sich dagegen anlehnen muss. Offensichtlich kein Pinguin-Wetter. Sie vertagen das Fische fangen und bleiben in ihren gemütlichen Granit-Höhlen. Kaum Robben, keine Pinguine, das ist eine recht magere Ausbeute. Aber als Entschädigung erwartet uns schliesslich Hahndorf, die älteste überlebende deutsche Siedlung Australiens! Dreissig Kilometer südöstlich von Adelaide gelegen, 1730 Einwohner und laut allen Reiseführern eine grosse Touristenattraktion, manche nennen es sogar den „german theme park“. Nach zwei Stunden Fahrt durch bergige Landschaft treffen wir in Hahndorf ein. Scheinbar auch heute eingetroffen sind schätzungsweise fünftausend andere Besucher, vornehmlich aus Adelaide. Es herrscht reges Treiben, die Hauptstrasse ist bunt bevölkert. Innerhalb von Sekunden sind wir total ernüchtert. Hahndorf sieht nach allem Möglichen aus, nur nicht nach deutschem Dorf. Sicher, die Fleischerei bietet „German Mettwurst“ feil, in den Restaurants kann man „German Würstchen with Sauerkraut“ oder „Leberkäse and Kartoffelsalat“ zum Preis einer üppigen Portion Beluga-Kaviar bestellen und ein Laden erweist sich gar als Spezialwerkstatt von cuckoo-clocks(!), aber letztendlich sehen wir hier mehr Asiaten, Italiener und Griechen als Nachfahren deutscher Siedler. Touri-Nepp. Im ganz grossen Stil. Und erfolgreich. Wir raten dringlichst von einem Besuch ab. Knappe dreissig Kilometer sind es jetzt noch bis Adelaide, der Hauptstadt des Bundesstaates South Australia. Vorher gibt es noch eine Hügelkette zu überqueren von deren Kamm aus man etwa zehn Kilometer weit ein 7%-Gefälle herunterfährt. Für den Fall, dass die Bremsen eines Trucks überfordert werden, gibt es an einigen Stellen steil ansteigende mit Kies ausgelegte Notbrems-Betten, deren Beschaffenheit eine rege Benutzung vermuten lässt. Adelaide hat zwar mehr als eine Million Einwohner, wirkt aber auf Grund der wenigen wirklich imposanten Gebäude eher provinziell. Die Innenstadt weist erstaunliche 1800 Morgen Parkfläche auf. Es gibt gleich zwei Zentren mit schachbrettartig angelegten Strassenplänen, getrennt voneinander durch einen breiten Grünstreifen der vom Torrens River geteilt wird. Beide Zentren sind nach aussen wiederum von Parkflächen eingeschlossen, so dass man erstaunlicherweise von fast jedem Punkt aus irgendwie ins Grüne schaut. Und zwar in richtig saftiges Grün, obwohl Adelaide eigentlich nicht mit nennenswerten Regenfällen gesegnet ist. Tip für Traveller: Im Park zwischen den Zentren gibt es Parkplätze, die man kostenlos nutzen und dann, von diesem wirklich zentralen Punkt aus, alle wichtigen Stellen der City zu Fuss erreichen kann. Da wir schon diverse Wochen in Melbourne und Sydney verbracht haben, steht uns nicht wirklich der Sinn nach Grosstadt und Trubel, wir sehen also zu, dass wir die Stadt (die sicher einen mehrtägigen Aufenthalt wert ist, obwohl sie trotz ihrer Grösse keinen besonderen kulturellen oder gesellschaftlichen Stellenwert in Australien besitzt) Richtung Norden verlassen und verbringen eine stürmische Nacht an der Marina des fünfzehn Kilometer stadtauswärts liegenden St Kilda. Zweihundert Kilometer nördlich von Adelaide soll es wieder einmal australische Fauna in Hülle und Fülle zu sehen geben. Das Ende der eine Meile langen Mole von Port Germein (und damit längste hölzerne Mole Australiens) scheint beliebter Treffpunkt der örtlichen Delphin-Gangs zu sein. Der Versuch, ihrer ansichtig zu werden, ist nach Robben und Pinguinen unser dritter Schuss in den Ofen. Als wir auf dem Parkplatz nahe der Mole ankommen, ziehen sich dräuend dunkle Wolken über dem Meer zusammen und kaum sind wir hundert Meter von Maggie entfernt, geht ein gewaltiger Wolkenbruch auf uns hernieder. Seit Monaten hat es hier nicht geregnet, aber kaum sind wir da, wird alles weggeschwemmt. In einem Wellblechunterstand treffen wir auf einen ausgewanderten Kanadier mit Familie, der seit einigen Jahren nicht weit von hier sein neues Zuhause gefunden hat. Er zerstört unsere Illusionen auf ein baldiges Ende der Sintflut. „Hier regnet es selten, aber wenn, dann richtig. Richtig lange!“ Also verzichten wir nun auch auf die Delphine und fahren entlang der Küste des Spencer-Golfes nach Norden bis Port Augusta, dem Tor zum Outback. Gegründet 1854 ist es heute Treffpunkt für alle Traveller, die sich in das australische Zentrum, das Outback, vorwagen wollen. Sei es auf dem mehr als 3000 Kilometer langen, durchgehend geteerten Stuart-Highway Richtung Nordwest über Alice Springs bis nach Darwin an der Nordküste, den gut ausgebauten Strecken nach West-Australien oder ostwärts nach New South Wales. Für den Abenteuerlustigen gibt es aber noch unberührtere, weniger gut ausgebaute Tracks ins Herz des Kontinentes. Karten und Infos über den Zustand dieser Tracks, sowie Auskünfte über spezielle Genehmigungen für die geplante Route erhält man im (wie immer exzellenten) Information-Center. Unsere erste Route: 400 Kilometer zwischen dem Torres- und dem From-Salzsee nach Norden bis Lyndhurst, und dann auf ungeteerten Pisten 500 Kilometer Richtung Nordwest entlang der Grenze der verbotenen Woomera-Zone bis in die Opal-Digger Stadt Coober Pedy und somit wieder auf den Stuart Highway. Dieser Teil des Oodnadatta-Tracks ist nach Auskunft des Information Center im Moment mit einem Allrad-Fahrzeug problemlos zu bewältigen. Wir sollen uns jedoch jeden Tag in einem der Outposts über Veränderungen informieren. Die nette Mitarbeiterin des Centers erkundigt sich besorgt, wie viele Ersatzreifen wir mit uns führen. Zwei sollten es schon sein, da Teile des Tracks ziemlich steinig seien. Sie drückt uns noch eine Outback-Sicherheitsbroschüre in die Hand (für alle Fälle), in der alles aufgeführt ist, was zum sicheren Befahren des Outbacks notwendig ist. Am frühen Morgen fahren wir los, mit gefülltem Kühlschrank, vollen Wasser- und Dieseltanks. Nicht, dass unterwegs nirgendwo etwas zu bekommen wäre, so unbelebt ist das Outback auch nicht. Irgendwo im Umkreis von 300 Kilometern gibt es immer eine Tankstelle oder ein Lebensmittelgeschäft. Aber was man hat, das hat man und ausserdem bekommen wir von zwei Österreichern, die gerade von Darwin nach Adelaide unterwegs sind, den Tip, dass der Diesel im Outback satte 30 Cent teurer ist als üblich. Also, alles rein in Tank und Kanister, was geht. Über Quorn geht’s nach Hawker und von dort aus in den Flinders-Range National Park. Ab Wilpena ist dann Schluss mit geteerten Strassen. Wir erkundigen uns im National Park Headquarter nach den Track-Conditions und erfahren, das Aufgrund des heftigen Regenfalles von vor zwei Tagen ein Track nach Blinman, dem ersten Ort jenseits der nördlichen Parkgrenze, gesperrt werden musste. Der zweite, alternative, sei zwar etwas rutschig, aber mit Allradfahrzeugen befahrbar. Genauso sieht´s aus, die Feuchtigkeit ist noch nicht ganz in den Boden gezogen und wir sauen Maggie erst mal richtig mit roten Schlamm ein. Um uns herum bis zu 1100 Meter ansteigende, karge Bergkämme, dazwischen jedoch immer noch eine Menge Büsche und Bäume. Der Track führt bergauf und bergab, immer wieder durch Furten von Bachläufen, die im Moment aber nur wenig Wasser führen. Auf dem Weg von Blinman nach Lyndhurst wird’s dann immer trostloser und trockener, die Hügel um uns herum immer niedriger und schliesslich befinden wir uns in einer endlosen Ebene. Wenig Abwechselung für die nächsten paar hundert Kilometer. Ein paar Emus veranstalten ein Wettrennen mit uns und kreuzen direkt vor Maggie die Strasse. Wir wussten zwar, dass diese Laufvögel ganz schön Gas geben können, aber so schnell? Unfassbar. Die beiden einzigen Orte auf den nächsten 300 Kilometern sind Marree mit achtzig Einwohnern und William Creek, das es auf gerade mal zwölf Einheimische bringt. Dieses Dutzend Menschen schafft es immerhin, ein Hotel, einen Pub, einen General Store, eine Tankstelle, 2 (!) Campingplätze (nicht besonders frequentiert, da sehr staubig, ausserdem ist der Durchgangsverkehr hier nicht so rege), eine Chartermaschine für Rundflüge, zwei öffentliche Toiletten und (kein Scherz) einen 9-Loch Wüsten-Golfplatz (kein Gras, ebenfalls sehr staubig) zu betreiben. Hut ab! Es wird Zeit, die Geissel des Outbacks vorzustellen: Die australische Fliege. Etwa halb so gross wie unsere Stubenfliege. Ihr Hauptdaseinszweck besteht darin, Menschen um den Verstand zu bringen. Spätestens fünf Sekunden nach Verlassen des schützenden Fahrzeuges hat dich die erste entdeckt. Relativ schnell erscheinen zwanzig bis zweihundert ihrer Artgenossen. Sie sind auf der Suche nach Feuchtigkeit und wissen genau, wo sie zu finden ist. In jeder erreichbaren menschlichen Körperöffnung. Man ist ständig damit beschäftigt, die kleinen Racker davon abzuhalten, es sich in Mund, Nase und Ohr gemütlich zu machen. Allein der Gedanke, hier im Freien ein grosses Geschäft verrichten zu müssen , bereitet mir Unwohlsein. Sogar auf die Augäpfel haben sie es abgesehen. Da nutzt auch kein Zwinkern, es hat nur zur Folge, dass man Reste zermatschter Fliege mit spitzen Fingern unter dem Augenlid wegpulen muss. Was kurzfristig hilft, ist wildes Wedeln mit den Armen vor dem Gesicht. Macht hier jeder und hat sogar seinen eigenen Namen: Der Buschgruss. Die trockene Trostlosigkeit breitet sich um uns aus. Bis zum Horizont. Und wenn man endlich dort ist, bis zum nächsten Horizont. Über jede kleine Abwechselung ist man dankbar. Beispielsweise den Überflug einer Maschine des Royal Flying Doctor Service. Der diensthabende Allroundmediziner ist vielleicht gerade auf dem Weg zur 1 ½ Flugstunden ostwärts liegenden McCormack Farm, weil Schafscherer Ian mal wieder zwei seiner noch übrigen Finger in die Schermaschine bekommen hat. Vielleicht ist aber auch Gayle, die Frau des Ranchers, beim Aufräumen der Garage von einer gemeinen White Tail Spider gebissen worden. Wer weiss? Ab und an gibt´s ein paar Tiere zu sehen. Zum Beispiel den mächtigen Adler, der in der Nähe eines Kaninchenbaues hockt und auf das Herauskommen seines Frühstückes wartet. Bis auf drei Meter lässt mich der König der Wüstenlüfte an sich herankommen. Dann trete ich angesichts der schraubstockstarken Krallen und seinem mordlüsternen Blick den strategischen Rückzug an. Knappe hundert Kilometer westlich von William Creek passieren wir den „Dog Fence“, einen sage und schreibe 9600 Kilometer langen Zaun, der von Surfers Paradise in Queensland an der Pazifikküste quer durch den Kontinent bis in den Bundesstaat West-Australia verläuft. Nördlich des Zaunes: Dingos (die australischen Wildhunde) und Rinderherden (Rinder können sich gegen Dingos gut zur Wehr setzen). Südlich des Zaunes: Schafe, keine Dingos (Schafe sind definitiv zu blöd, sich zu wehren). Der „Dog Fence“ sorgt also dafür, dass auch in Zukunft alle Tiergruppen dort bleiben, wo sie hingehören. Pfiffige, wenn auch aufwendige Lösung. Etwas nördlich des „Dog Fence“ sehen wir unseren ersten Dingo in freier Wildbahn. Die Kerlchen sind niedlich, nicht ungefährlich, aber scheu. Ausserdem können sie nicht bellen. Oder wollen es nicht. Bei den schwarz gefärbten Exemplaren, die uns über den Weg laufen, ist offensichtlich ein domestizierter Haus- und Hütehund in den Stammbaum geraten, da Dingos eigentlich ein mittelbraunes Fell haben. Ich hatte schon erwähnt, das Kangoroos eine echte Gefahr für Autofahrer darstellen und es häufig zu katastrophalen Zusammenstössen kommt. Auch hier sehen wir viele Kadaver neben dem Track liegen. Das muss man sich einmal vorstellen . Wir befinden uns in einem Gebiet, in dem man in der Regel im Umkreis von zwanzig Kilometern das einzige Fahrzeug ist. Wieviele Kangoroos müssen auf einem zwanzig Kilometer langen Wegabschnitt über den Track hüpfen, damit eines dieser Tiere von dem einen Fahrzeug erwischt wird, das sich gerade irgendwo auf diesem zwanzig Kilometer Abschnitt befindet. Das kann doch kein Zufall sein, da steckt doch Methode dahinter! Aber mal ganz im Ernst. So richtig kann es keiner erklären, warum die Beutler (es muss sich um eine den Lemmingen verwandte Art handeln) genau dann auf die Strasse springen, wenn man an ihnen vorbeifährt. Die Gefahr ist am größten in den Dämmerungsstunden. Man schont also Nerven und Material, wenn man rechtzeitig einen Platz zum campen sucht. Wir erreichen die Opalfelder von Coober Pedy. Wie ein Meer von Maulwurfshügeln mutet dieses Gebiet an. In einer Umgebung von 15 Kilometern um den Ort Coober Pedy herum versuchen etwa 2000 Digger, eingewandert aus 45 Ländern, die weissen Opale aus dem Boden zu holen, die man hier finden kann. Die Betonung liegt hierbei auf kann. Vor etwa 150 Millionen Jahren war das alles hier Teil eines Ozeans, der dann irgendwann verschwand, durch den getrockneten und dabei aufgerissenen ehemaligen Meeresboden sickerte Regenwasser, löste dabei Silicate, die sich in Hohlräumen und Rissen zwischen drei und dreissig Metern unterhalb der Oberfläche wieder absetzten und in den darauffolgenden paar Jahren (sofern sich ihre Molekulare Struktur zur Zufriedenheit entwickelte) zu Schichten von Opalen wurden. Nirgendwo auf diesem Planeten werden derart viele Opale ans Tageslicht gebracht wie in Coober Pedy. Was aber nicht heisst, dass es hier besonders viele Millionäre gäbe. Ross, Coober Pedy Urgestein und Betreiber eines Mining-Ausrüstungsshops mit Werkstatt, erklärt uns, warum. Opal-mining besteht zu 5% aus knochenharter Arbeit und zu 95% aus Glück. Was zur Folge hat, dass nur 5% der Digger zu mehr oder weniger reichen Leuten werden, 45% gerade davon leben können und 50% relativ schnell pleite gehen oder das Handtuch schmeissen. Auf gut Glück, oder wenn einen der gute Riecher dazu veranlasst, werden dreissig Meter tiefe Probebohrungen gemacht und daran entschieden, ob und in welcher Tiefe Gestein abgetragen, nach oben befördert und in grossen, hässlichen selbstgebauten Maschinen erst automatisch grob sortiert und dann in einem in einem kleinen (2x2x2m), stickigen sogenannten Darkroom auf einem Fliessband unter UV-Licht nach Opalen durchsucht wird. Bei der derzeitigen Weltwirtschaftslage sind die Rohpreise für Opale übrigens im Keller und so schnell wird sich, nach Ross´ Meinung, auch nichts daran ändern. Man hatte in Coober Pedy ziemlich schnell festgestellt, dass es in den Stollen und Grabungshöhlen, den sogenannten Dugouts, kühler als unter der gnadenlosen Outbacksonne ist. Daher haben sich viele Digger häuslich in diesen Dugouts eingerichtet. Es gibt sogar Kirchen, Töpfereien und Läden und Restaurants unter der Erde. So rau wie das Klima sind hier auch die Menschen. Der für Digger leicht mögliche Erwerb von Explosivstoffen ist Grund dafür, dass seit 1987 zweimal die Polizeistation, einmal die Redaktion der örtlichen Tageszeitung, das Gerichtsgebäude, ein Restaurant und mining-Equipment im Wert von Hunderttausenden von Dollar in die Luft flogen. Ein probates Mittel also, seinen Unmut zu äussern. Ah, ich vergass, die beiden Polizeiautos zu erwähnen, die auch explodierten. Die Bezirksregierung behauptet zwar, dass die Wild-West Tage in Coober Pedy inzwischen vorbei seien, wir jedoch lesen in der aktuellen Tageszeitung, dass sich Leser über die Schurken beschweren, die am frühen Morgen des vorigen Tages alle Anwohner mittels eines Dynamit-Feuerwerkes im Ortszentrum aufweckten. Hier ist halt immer was los. Übrigens, ein precious stones prospecting permit (Schürferlaubnis für Edelsteine) erteilt das P.I.R.S.A. (Primary Industries and Resources of South Australia) Office für preisgünstige 43 AU$. Dafür sollte man aber mindestens den Status „permanent resident“ haben. Die Claims (50x50 Meter), auf denen man graben möchte und die man sich nach Gutdünken abstecken und registrieren lassen kann, mietet man für lächerliche 18AU$ pro Vierteljahr. Dann darf man dort soviel buddeln wie man will. Alle neuen und alten Claims sind inzwischen umzäunt, mit Warnschildern versehen und Touristen ist das Betreten verboten. Sie hatten es sich zum Sport gemacht, beim Fotografieren der Claims in alte, bis zu 35 Meter tiefe Schächte zu fallen und sich dabei, wenn nicht das Genick, dann eine stattliche Anzahl anderer Knochen zu brechen. Der rechtliche Besitzer dieser Claims, also der Bundesstaat South Australia, hatte irgendwann (verständlicherweise) keine Lust mehr, sich mit den daraus ergebenden Regressansprüchen herumzuplagen. Ab dem 150 Seelen Nest Marla gibt es keine akzeptable ungeteerte Nebenstrecke mehr und so müssen wir notgedrungen den Stuart-Highway Richtung Norden benutzen. Nach ein paar Hundert Kilometern überqueren wir die Grenze zwischen dem Bundesstaat South-Australia und dem Northern Territory. Abgesehen von seinen klaren schnurgeraden Grenzen ist das Northern Territory (20% der Gesamtfläche Australiens, aber nur 190.000 Einwohner, von denen die Hälfte in der Hauptstadt Darwin lebt) nur schwer zu fassen und eher nebulös. Es ist nämlich kein australischer Bundesstaat. Bis 1978 wurde es vom Federal Government in Canberra verwaltet. Seitdem regiert es sich zwar selbst, Canberra kann aber immer noch viel mehr in die inneren Geschicke hineinreden, als bei den anderen „richtigen“ Bundesstaaten. Der Versuch, es 1998 per Volksabstimmung zu einem Bundesstaat zu machen, schlug fehl, da die 190.000 Einwohner nicht mitspielten. Sie fühlen sich wohl mit ihrem Status als Territory. In das Parlament nach Canberra entsendet das Northern Territory nur einen Repräsentanten und zwei Senatoren (als Bundesstaat würden ihm zumindest zwölf Senatorenplätze zustehen), die aber bei Abstimmungen nicht mitmachen dürfen und auch in keinem Gremium sitzen. Sie halten, mehr oder weniger, ihre Sessel warm. Wir befinden uns nun also in diesem merkwürdigen Territory, das zu 75% aus Wüste und Halbwüste sowie zu 25% aus tropischen Gebieten besteht (der Bereich der Nordküste um Darwin). Auf dem Boden des Northern Territory befindet sich allerdings auch die bekannteste Sehenswürdigkeit Australiens (unser nächstes Reiseziel), der Uluru. Vielleicht sollte ich Ayers Rock sagen, aber ich werde bei der traditionellen Aboriginee Bezeichnung bleiben, was auch dem allgemeinen australischen Sprachgebrauch entspricht. Für viele Menschen hängen die Namen Alice Springs und Uluru untrennbar zusammen: Alice Springs, die touristische Stadt mit grossem Flughafen mitten im Zentrum Australiens und Uluru, der grosse rote Monolith, zu dem man von Alice Springs aus rüberfährt. Schuld daran sind (und man möge es ihnen verzeihen) die Australier mit ihrer ganz eigenen Definition von Distanzen. Dem Standardurlauber (mit dem Flugzeug in Sydney eintreffen und dann drei Wochen Zeit, ein Land zu bereisen, das grösser ist als die kompletten Vereinigten Staaten von Amerika) wird suggeriert, er könne per Drei-Stunden Flug von Sydney nach Alice Springs kommen, sich einen Mietwagen nehmen und rüber zum Uluru fahren. So sieht das ein Australier auch, für den sind die 450 Kilometer Entfernung (hin und zurück also schlappe 900 Km !) ein Katzensprung. Der Uluru liegt am Ende des Lassiter Highways, der zweihundert Kilometer südlich von Alice Springs vom Stuart Higway abzweigt und nach Westen führt. Wir biegen also gehorsam auf den Lassiter Highway ab, der dummerweise (aber touristengemäss) asphaltiert ist. Es gibt zwei sogenannte Homesteads auf der Strecke, an eine Farm angegliederte Rasthäuser mit Pub, Hotelzimmern und einem Campingplatz mit Dusche und Toilette. Das Campen bzw. über Nacht stehen mit einem Wohnmobil ist bei beiden kostenlos. Von hier aus kann man so weit man möchte in der Gegend rumspazieren und sich grenzenlos einsam fühlen. Wenn man nicht gerade auf vier oder fünf Rinder stösst, die auf einer der Weiden leben, die so gross sind, wie ein halbes Dutzend deutscher Bauernhöfe. Für mehr Vieh reicht der essbare Bewuchs dieser Weiden einfach nicht. So ein Spaziergang ist so ziemlich das spannendste, das einem auf den 250 Kilometern bis zum Uluru widerfährt. Nein, nicht ganz richtig. Hatte ich von den Road Trains berichtet? Den Begriff hat bestimmt jeder schon einmal gehört, aber wer einen Road Train gesehen hat, wird dieses Wort in Zukunft mit Ehrfurcht aussprechen. Grob gesagt sind es unglaublich lange LKW (im Schnitt um die 55 Meter), bestehend aus gewaltiger Zugmaschine (lässt Männerherzen höher schlagen) und bis zu vier miteinander verbundenen Anhängern. Auf den wenigen Strassen durch das Outback transportieren sie Güter von Nord nach Süd und West nach Ost. Vor den Städten an den Enden der Strecken gibt es Road Train Assembling Areas, in denen sie zusammengesetzt bzw. wieder auseinandergenommen und auf mehrere Zugmaschinen verteilt werden. Die Krönung des Ganzen, die uns auf einer Tankstelle begegnete, war ein Tanklastzug mit vier aneinandergekoppelten Tankaufliegern voller Sprit. Länge circa siebzig Meter, Gewicht um die einhundertfünfzig Tonnen. Damit wären wir beim Problem. Road Trains bremsen nicht gerne, ausser zum rasten oder am Ziel. Für nichts und niemanden. Viele Tiere bleiben auf der Strecke, nicht einmal eine Kuh könnte einen Road Train aus der Bahn bringen. Wennschon ein Treffen mit einem dieser Giganten für uns und Elf-Tonnen-Maggie nicht ganz so schlimm ist, für PKW ist es sicher erschütternd. Wenn man ihn in der ferne sieht, sollte man langsamer werden, soweit wie möglich nach links fahren oder gleich ganz anhalten. Road Trains fahren mit einer Geschwindigkeit von 100 – 110 km/h. Wenn sie dich passieren, prallt ein harter Schlag aufgestauter Luft auf dich und dein Fahrzeug, dann gerätst du in den Sog des Fahrzeugendes, wirst also schlimm durchgeschüttelt und bist froh, dein Fahrzeug nach dem Aufeinandertreffen noch unter Kontrolle bzw. auf der Fahrbahn zu haben. Zurück zum Uluru. Gegen Mittag sehen wir ihn zum ersten Mal am Horizont erscheinen. Dann bleibt er für längere Zeit bis auf einige kurze Blickkontakte verschwunden, da der Lassiter-Highway ihn nördlich umgeht, um sich dann von Nordwesten aus zu nähern. Zwanzig Kilometer vor dem Uluru landet man in Yulara, dem eigens für Touristen erschaffenen Dorf, das wenig einladende Wüstenlandschaft in eine für normale Reisende erträgliche Umgebung verwandelt. Hier gibt es alles, was der Uluru Besucher braucht. Einkaufszentrum, Restaurants, Bars, Mietwagenagenturen, Anbieter von Helikopter-Rundflügen und eine Handvoll Hotels, natürlich mit Pool. Die Preise für eine Nacht sind erschütternd. Billige Doppelzimmer von 360 – 450 AU$, teure bis 900 AU$. Wer kein Zelt oder Wohnmobil hat muss halt leiden. Ganz ungeschoren bleiben wir allerdings auch nicht. Ab etwa zehn Kilometer vor Yulara wird dem Besucher auf grossen Schildern klargemacht, dass freies campen im Grossraum Uluru bei Strafe untersagt ist. Gezwungenermassen müssen wir uns auf den „Ayers Rock Resort Camp Ground“ stellen, für 27 AU$ die Nacht. Ich muss allerdings gestehen, dass er erstklassig ausgestattet ist. Aber zuerst wollen wir natürlich den Fels sehen, dafür sind wir schliesslich hergekommen. Etwa fünf Kilometer südlich von Yulara beginnt der „Uluru Kata Tutja National Park“, Eintritt 16 AU$ pro Nase, ist aber okay, da für drei Tage gültig. Als die Engländer Australien ab dem Ende des 18. Jahrhunderts besiedelten, nahmen sie den Ureinwohnern, den  Aboriginee (die, wie wir heute wissen, seit mehr als 50.000 Jahren auf dem Kontinent beheimatet sind) ihr Land einfach weg (die typische Kolonialpolitik). Wegnehmen ist vielleicht nicht das richtige Wort, weil Grundeigentum den Aboriginee völlig fremd ist, da ihrem Glauben nach Land nicht den Bewohnern gehört, sondern die Bewohner dem Land, da sie von ihm geformt werden und nur ein Teil allen Lebens sind. Einigen wir uns also darauf, dass die Engländer sie aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben haben. Schon bald nach dem zweiten Weltkrieg bildete sich, angeführt von gebildeten und besser organisierten Aboriginee eine Landrechtsbewegung, die nach mehreren von der Regierung abschlägig beschiedenen Petitionen zumindest im Northern Territory zum „Land Right Act“ führte, dass den Ureinwohnern das Einfordern von Landgebieten erlaubt, aber schwammig ist und ständig unterlaufen wird. Die Aboriginee können sowieso nur Land einfordern, das ausserhalb von Städten liegt und keine privaten Besitzer oder Pächter hat, also gemeinerweise nur ödes Wüstenland. Als man nun den Uluru (ihre bedeutendste religiöse Stätte) und das umliegende Land einforderte, wurde dies abgelehnt, weil es sich um einen Nationalpark handelt. Das führte nun aber doch auch zu Unruhen unter den übrigen Bewohnern Australiens und so kam es 1985 zu einer Art Kompromiss. Der Uluru und Umgebung wurde den Aboriginee übergeben, allerdings unter der Auflage, dass diese ihn für die folgenden 99 Jahre der Regierung verpachten, um weiterhin den Nationalpark (eine nicht unbeträchtliche Einnahmequelle) zu betreiben. Die Aboriginee dürfen jedoch, wann immer sie wollen, ihre Zeremonien (Initiationsriten etc.) am Uluru durchführen, die entsprechenden Gebiete werden dann für Besucher gesperrt. Genug der geschichtlichen Fakten. Vom Parkeingang bis zum Uluru sind es etwa 15 Kilometer. Je näher man ihm kommt, desto gewaltiger wirkt er. Wirklich ein mächtiger Stein. Besser gesagt, der weltgrösste Monolith; Zwei Drittel seiner Gesamtmasse werden unter der Erde vermutet. In Jahrmillionen wurde hier der Boden durch Erosion abgetragen und der grosse Stein, der vorher unter der Oberfläche lag, rückte ans Licht (jegliche Behauptungen, Sternenreisende einer fremden Galaxis hätten ihn hier abgeworfen, können wir getrost als eher unwahrscheinlich bewerten). Er sieht genauso aus, wie man ihn kennt von den unzähligen Abbildungen, die man im Laufe seines Lebens von ihm gesehen hat. Er ist in der Mittagssonne von einer rötlich-braunen Farbe und wenn man dicht vor ihm steht, merkt man, dass er nicht so glatt ist, wie er auf Fotos aussieht. Voller Risse, Löcher und Höhlungen, aber genau das macht ihn nur noch um so sympathischer. Nichtsdestotrotz ist er enorm beeindruckend. Wir machen die grosse Runde, den „Base Walk“, einen Spaziergang von zehn Kilometern Länge um den Uluru herum, um ihn aus allen Blickwinkeln betrachten zu können und Fotos zu machen. An manchen Stellen, die rituellen Handlungen der Aboriginee vorbehalten sind, ist dies verboten, aber das ist auch ganz richtig so. leider nicht verboten ist es, auf den Uluru hinauf zu klettern. Einerseits ist es gefährlich. Er ist 348 Meter hoch, es gibt keine Stufen, man muss sich über längere Strecken an einer fest angebrachten Kette hochziehen, runter ist die Geschichte sicher noch unangenehmer als hoch und heiss ist es sowieso immer. Obwohl der Aufstieg bei zu hohen Temperaturen oder Windgeschwindigkeiten von über 50 km/h auf dem Gipfel gesperrt wird, sind bei dem Versuch, den Fels zu besteigen, bis heute 47 Menschen gestorben und eine sehr hohe Anzahl teils schwer verletzt worden. Dies ist aber nicht der eigentlich springende Punkt. Die Aboriginee sehen es nicht gerne, wenn man auf ihren Uluru steigt. Sie verstehen auch nicht, warum die Touristen das tun (ich übrigens auch nicht, von oben sieht man eh nur dasselbe, wie auf den letzten eintausend gefahrenen Kilometern: Wenig fruchtbares, spärlich bewachsenes Outback). Die Aboriginee verbieten jedoch das Besteigen nicht, sie bitten nur darum, es nicht zu tun und zu respektieren, dass der Uluru ihr heiliger Berg ist, den man sich gerne von unten anschauen darf. Darum kümmern sich die meisten Touristen einen Dreck und klettern trotzdem hoch. Viele überschätzen sich, bekommen vor Überanstrengung einen Herzinfarkt oder stürzen ab (selber schuld). Und jedes Mal, wenn ein Besucher getötet oder verletzt wird, sind die Aboriginee schwer betroffen, weil es in ihrem Verantwortungsgebiet passiert ist und sie es nicht verhindern konnten. Marcus und ich werden ihren heiligen Felsen nicht besteigen, schliesslich haben wir im Verlauf unserer reise in den islamischen Moscheen auch keine Trinklieder zum Besten gegeben. Wir haben gelernt, was Respekt ist. Zum Sonnenuntergang treffen sich alle Touristen auf der „Sunset View Park Area“ (etwa drei Kilometer westlich des Uluru), um von dort aus den unglaublichen Farbwechsel des Monolithen bei untergehender Sonne miterleben zu können. Ein tief beeindruckendes Schauspiel, wie sich das rötlich-braun langsam in ein tief leuchtendes Rot verwandelt. Mit Stativ und Kamera zu Gast auf Maggies Dach ist Sebastian aus Duisburg, seit zehn Monaten auf einem Rundtrip in Australien, im Moment mit einer Honda XR-250, die er in Perth gekauft hat.  Unten tummeln sich zu viele Leute, hier oben ist es ruhiger. Am frühen Morgen des nächsten Tages gibt es das gleiche Schauspiel noch mal, in umgekehrter Reihenfolge. Um 6.30 Uhr fahren wir in den Park zur „Sunrise Viewing Area“ auf der Ostseite des Felsens, um mit allen anderen Frühaufstehern beim Sonnenaufgang um 7.19 Uhr mitzuerleben, wie der Uluru scheinbar von innen heraus rot zu glühen beginnt. Ein unvergessliches Erlebnis. Auch für heute Morgen hat sich Sebastian (mit dem wir am Abend vorher ordentlich einen weggezwitschert haben) wieder einen Platz auf Maggies Dach reserviert. Dazu gesellt sich noch ein junger Engländer, ebenfalls mit Stativ und Kamera. Wir sollten über einen einträglichen Nebenerwerb als Aussichtsplattform nachdenken. Als der Uluru wieder seine übliche rotbraune Farbe angenommen hat, fahren wir gemeinsam mit Sebastian zu den dreissig Kilometer westlich gelegenen Kata Tjuta (viele Köpfe), einer bizarren Ansammlung vieler Monolithen, von denen der grösste und imposanteste mit 546 Metern sogar noch zweihundert Meter höher als der Uluru ist. Die Kata Tjuta werden von den meisten Touristen links liegen gelassen, obwohl sie optisch sogar noch interessanter als der Uluru sind, wovon man sich auf dem neun Kilometer langen „Valley of the Winds Walk“, der bergauf und bergab zwischen einigen der Monolithen entlang führt, gründlich überzeugen kann. Sebastian, der sich von dem langen Ritt durch das Outback schon Schwielen am Hintern geholt hat, wird für die nächsten Tage unser Reisebegleiter sein und die Annehmlichkeiten des LKW-Travelns kennenlernen. Seine Honda schieben wir in den hinteren Teil von Maggies Führerhaus (passt wie dafür gemacht), packen Lebensmittel für die nächsten Tage in den Kühlschrank und verabschieden uns von Uluru und Ayers Rock Resort Camp Ground Richtung Alice Springs.