
Australien 2
Inzwischen hat sich das Wetter in Melbourne bzw. im
kompletten Bundesstaat Victoria wieder erholt. Blauer Himmel, Sonnenschein und
Temperaturen zwischen 25° und 30°C. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen,
dass die Verhältnisse hier innerhalb von Stunden umschlagen können. Der
wetterumschwungsgewohnte Südaustralier nimmt, wenn er am
Nachmittag ausgeht und plant, erst am späten Abend nach Haus zurückzukehren,
auch bei 30°C Aussentemperatur eine Jacke mit. Es wäre nicht ungewöhnlich,
wenn er sie im Laufe des Abends brauchen würde. Unsere ersten Ausflüge in Melbourne führen uns in den 7Km
entfernten Suburb St. Kilda, zu finden an der Hobsons Bay südlich des Zentrums.
Das am Meer gelegene St. Kilda hat sich etabliert als das bevorzugte Wohnviertel
der jüngeren Altersgruppen, viele Künstler sind hier zu Hause. Auf der Aclund
Street mit ihren einfallsreich gestalteten Shops, Fassaden und vielen
Strassencafés herrscht jeden Tag buntes Treiben. Besonders am Wochenende, wenn
die am
Strand gelegenen Grünflächen und der Luna-Park mit seinem hölzernen
Roller-Coaster und en übrigen Buden und Fahrgeschäften wie ein grosser Magnet
die Bewohner der umliegenden Suburbs anzieht. Wie allgemein in
Australien üblich sind Stress und Hektik Fremdwörter. Egal wo man hinschaut,
nur freundliche und lachende Menschen, ein Ort zum wohlfühlen. Die Melbourner
Strände entlang der Hobsons Bay sind einladend breit, der Ozean mit gerade mal
20°C Wassertemperatur hingegen kälter als erwartet. Und voller Gefahren, die
hier in Melbourne nicht so sehr zum tragen kommen, da die Hobsons Bay eine zum
Ozean bis auf eine ca. drei Kilometer breite Einfahrt fast vollständig
abgeschlossene natürliche Bucht von etwa 50 Km Durchmesser ist (über die in
australischen Gewässern allerorts lauernden todbringenden Untiere später
mehr). Strandabschnitte, an denen man sich ruhigen Gewissens und unter
Beobachtung von australischen Life-Guards (unbestritten die besten der Welt,
dagegen sind die US-Baywatch
Rettungsschwimmer echte Anfänger) ins Wasser
begeben kann, sind besonders gekennzeichnet. Allgegenwärtig
an den Badestränden sind kleine Kinder, die in Ganzkörper-Badebekleidung im
Wasser herumtoben. Das sich stetig ausbreitende Ozonloch über der Antarktis
fordert seinen Tribut. Die Hautkrebs erregende intensive Sonnenstrahlung zwingt
die Menschen zur Benutzung besonders starker Sonnenschutzmittel australischen
Standards oder eben zum tragen von Bekleidung selbst bei hohen Temperaturen. Man
darf sich nichts vormachen. Wer sich hier ungeschützt der Sonne preisgibt und
eines schönen Morgens im Spiegel vom schwarzen Melanom begrüsst wird, ist
selber schuld und darf sich nicht beklagen, er habe von der Gefahr nichts
gewusst.
Telefongesellschaft TELSTRA einen Anschluss freischalten lassen
und beim Provider PRIMUS einen Flatrate-Plan abgeschlossen. Erstaunt müssen wir jedoch feststellen, dass so ein Laptop, obwohl er speziell
als Reisebegleiter konzipiert ist, noch lange nicht überall auf der Welt
nutzbar ist. Unser internes LT-Win Modem erkennt das australische Freizeichen
nicht und weigert sich standhaft zu wählen. Da hilft es auch nicht, dass
Kerstins Bekannter und Computerspezialist Mike unserem treuen aufklappbaren
Freund durch diverse Setup-Änderungen zu verstehen gibt, dass er sich im Moment
auf dem fünften Kontinent befindet. Auch Derek , einer der Fachleute des DELL
Support-Centers, den wir telefonisch ausgerechnet in Bangalore, dem indischen
Silicon Valley, erreichen, muss sich angesichts dieses Problems geschlagen
geben. Die einzige, wennschon von uns nicht favorisierte, verbleibende Lösung
ist Kauf und Installation eines neuen PCMCIA-Modem für schlappe 200 AU$ (Laptop
Zubehör ist eher nicht preiswert). Aber damit
klappts dann immerhin, wir sind
endlich connected.
Land der preiswerten
Gebrauchtboote, eine Menge Geld kostet, müssen wir schweren Herzens Maggie
gegen einen adäquaten Obolus in gute Hände abgeben. Das
wiederum ist nicht ganz einfach. Wenn der Käufer ein Australier ist und Maggie
somit im Land bleiben soll, müssen wir sie vorher importieren, sprich verzollen
(kostet hässlich viel Geld). Besser wäre es, wir fänden einen europäischen Käufer,
der eine Tour von Australien nach Hause plant. Das wäre dann kein Problem!
Maggie kaufen, neues Carnet de Passage beantragen, Maggie beim australischen
Zoll vom alten in das neue Carnet umtragen lassen und los geht’s! Dies also
die Hintergründe der Verkaufsanzeige. Schon klar, dass der Plan davon abhängt,
dass wir einen Käufer finden, dem wir Maggie überhaupt anvertrauen würden.
Sonntag, 09.03.2003, Grosser Preis von Melbourne, erster Lauf
zur diesjährigen Formel Eins Weltmeisterschaft. Die Stadt ist überschwemmt von
grossflächigen Plakaten: „The Michael Schumacher Ferrari Roadshow hits the
town!“ Das Motorenkreischen der
hochgezüchteten Boliden bahnt sich seit einigen Tagen den Weg von der
Rennstrecke im Albert Park (übrigens Teil des Strassennetzes der Stadt, im
Moment aus gegebenem Anlass für den
normalen Verkehr gesperrt) in die
umliegenden Suburbs. Da wir im Moment in Melbourne sind,
hatten wir eigentlich geplant, uns das Qualifying am Samstag anzuschauen, auch
wenn das auf Grund des modifizierten Regelwerkes sicher nicht mehr so
interessant ist wie in den vergangenen Jahren. Der Samstag jedoch beginnt mit
starken Regenfällen, wir bleiben zuhause im Trockenen und schauen uns die
Geschichte im TV an. Das Rennen selbst können wir uns leider auch nicht live
von den Tribünen aus ansehen, da wir uns für Sonntag morgen einen Platz auf
dem „Trash & Treasure Market“ reserviert haben. Wir wollen versuchen,
unseren aus Indien mitgebrachten Silberschmuck mit ordentlichem Profit an den
Mann, respektive die Frau zu bringen. Das geht gründlich in die Hose. Der auf
dem Gelände eines grossen Autokinos stattfindende „Trash & Treasure
Market“ bietet jede Menge Trash, vom altersschwachen gebrauchten Rasenmäher
über third hand
Bekleidung bis zum nicht näher identifizierbaren
PKW-Federbein. Treasures gibt’s nur bei uns (klingt ein bisschen grosskotzig,
es mag Menschen geben, für die ein Federbein ein unermesslicher Schatz ist). Das Publikum, das den Markt an diesem Morgen bei Nieselregen besucht
(auch die Temperaturen lassen zu wünschen übrig), scheint offenbar nicht
darauf eingestellt zu sein, mehr als 10 AU$ auszugeben. Pech für uns. Nach vier
Stunden keinen Cent Umsatz, Besserung ist nicht in Sicht. Wir bauen unseren
Stand ab, streichen den „Trash & Treasure Market“ aus dem Gedächtnis
und ärgern uns, dass wir nicht im Albert Park an der Rennstrecke sitzen. C´est la vie.
umliegenden Suburbs, jedoch bei weitem nicht so, wie man es aus anderen
Metropolen kennt. Die Strassenschluchten sind belebt, aber man bekommt nicht das
Gefühl, dass es irgendjemand der zahlreichen Passanten besonders eilig habe. Hauptflaniermeile ist die Southbank Promenade entlang des Yarra River,
der Melbourne von Ost nach West durchfliesst. Die unzähligen Cafés und
Restaurants mit ihren zum Yarra hin offenen Terrassen reihen sich aneinander wie
Perlen an einer Kette. Ein guter Platz, den Nachmittag bei ein paar Tassen der
phantastisch zubereiteten Kaffeesorten aus aller Welt, die hier überall
angeboten werden, zu verbringen und dabei die vorbeischlendernden Menschen zu
beobachten. Besonders auffällig ist die unglaubliche Anzahl an Japanern,
Vietnamesen, Koreanern und Chinesen, die man zu Gesicht bekommt. Man hat das Gefühl,
sich in Südostasien zu befinden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um
Touristen, sondern um Einwanderer (frisch oder aus der zweiten oder dritten
Generation), die
versuchen, hier ihr Glück zu machen. Australien ist, obwohl
die Immigrationsgesetze in den vergangenen Jahren streng verschärft wurden,
immer noch einer der beliebtesten Einwanderungsstaaten der Welt. Menschen aus aller Herren Länder leben hier friedlich neben- und miteinander
(entgegen landläufiger Meinung klappt das EINWANDFREI). Auf dem erst vor ein
paar Jahren fertiggestellten Federation Square mit seinen angrenzenden,
architektonisch kühn gestalteten Museen und Ausstellungsgebäuden (besonders
empfehlenswert die permanente Ausstellung historischer und zeitgenössischer
Aborigine-Art im Ian Potter Centre – NGV Australia) geraten
wir in ein
Festival, in dessen Verlauf 25 Gruppen unterschiedlichster Nationalität einen
Einblick auf ihre traditionelle Musik und Tänze geben. Eine
brasilianische Samba-Schule, zwanzig Bauchtänzerinnen, japanische Trommler,
chinesische Drachen, Südseeschönheiten in Baströckchen und ... und ... und
... können wir an den quer über
den Square verstreuten Locations, zwischen denen sich die grosse Zuschauermenge
hin und herbewegt, bewundern. Unvorstellbar: Man musste die Gruppen nicht extra
aus ihren Heimatländern einfliegen, nein, alle Teilnehmer wohnen im Grossraum
Melbourne!
Ein Anruf beim Büro der K-Line Shipping Agency in Sydney
bringt überraschende Neuigkeiten. Maggie wird Australien einen ganzen Monat
eher erreichen als geplant! Die RoRo-Fähre, die den Hafen von Tokyo am 23. März
verlässt, verfügt über eine Sektion, die hoch genug ist, Maggie
unterzubringen. Voraussichtliches Arrival-date in Sydney ist der 4. April. Das
sind doch mal gute Nachrichten, zumal wir unsere Maggie inzwischen schon arg
vermissen. Für den 2. April buchen wir Flüge von Melbourne ins 1000 Km
entfernte
Sydney.
Die sind hier schon ab 70 AU$ zu bekommen,
so dass kaum jemand auf die Idee kommt, sich für mehr als zwölf Stunden in den
teureren Zug zu setzen. Per E-Mail kontaktieren wir Beth, Grafik Designerin aus
Sydney, mit der wir uns in Goa angefreundet hatten und erkundigen uns, ob sie
ein günstiges Backpacker Guest-House kennt. Prompt kommt die von uns im Stillen
erhoffte Antwort: Natürlich können wir in der Zeit, die wir benötigen, Maggie
durch den Zoll und aus der strengen australischen Einfuhr-Quarantäne zu
bekommen, bei ihr wohnen. Beth freut sich schon riesig darauf, uns
wiederzusehen.
Unser vorerst letztes Wochenende in Melbourne nutzen wir, um
mit Kerstin und John das Healesville Sanctuary zu besuchen.
Eineinhalb Stunden fahren wir Richtung Osten aus der Stadt heraus und
erreichen die ersten Ausläufer der
„Great Dividing Range“, des
Gebirgszuges, der den fruchtbaren Streifen an Australiens Südost- und Ostküste
vom kargen Inland trennt. Eingebettet in die ersten sanften Hügel
befindet sich der Healesville Tierpark. Kein Tierpark im herkömmlichen Sinne, Käfige
gibt es hier (ausser für einige gefährliche Reptilien) nicht. Wenn überhaupt,
trennen einen nur hüfthohe Absperrungen von den Tieren, die sich in der
wunderschönen weitläufigen Anlage offensichtlich pudelwohl fühlen. Ein Besuch
des Healesville Sanctuary sei jedem empfohlen, der plant, das Land auf eigene
Faust zu erkunden. Fast alle Tiere, die einem in Australien über den Weg
laufen, kriechen oder hoppeln können, sind hier vertreten, angefangen beim
Wombat über den Klauen- und Zahnbewehrten Tasmanischen Teufel, Emus, Wallabys
(kleine känguruartige Beuteltiere), Echidnas (heimische Stacheltierart), Dingos
(australische Wildhunde), fliegende Füchse, einen Grossteil der meist
unglaublich bunten Vogelarten (u.a. Papageien, Sittiche und Kakadus),
Schlangen
und ... und ... und ...bis hin zum Koala, dem faulsten Bären des Planeten. Bis zu zwanzig Stunden pro Tag verbringt so ein Koala (beneidenswerterweise)
schlafend in einem Eukalyptusbaum. In den Wachzeiten frisst er (übrigens nur
die zarten Blätter an den Zweigspitzen, der Koala ist ein Feinschmecker) oder
bewegt sich, gemächlich von Baum zu Baum hangelnd, zur nächsten Futterstelle.
Die zwanzig Stunden Schlaf pro Tag benötigt der Koala, um die hartfaserigen Blätter,
die ein für jedes andere Lebewesen gefährliche Pflanzengift enthalten, zu
verdauen. So ein Koala verputzt `ne ganze Menge. Ein Kilo Blätter, also ca.
zehn Prozent seines Körpergewichtes pro Tag. Und da er nur die besonders zarten
Blätter mag, unterhält das Healesville Sanctuary eine Plantage von 30.000 (!)
Eukalyptusbäumen, um seine vier Koalas über die Runden zu bringen.
Kostenpunkt: 40.000 AU$ pro Jahr. Da versteht man, warum man in kaum einem Zoo
der Welt einen Koala findet. Einer der Pfleger warnt davor zu versuchen, einen
Koala (egal, ob in freier Wildbahn oder Gefangenschaft) auf den Arm zu nehmen.
Sie sehen zwar putzig und flauschig aus, so, als ob sie keiner Fliege was
zuleide tun könnten (was im Grunde genommen auch so ist), aber letztendlich
wollen sie an einem Baum hängen, nicht an einem
Menschen. Um
das zu erreichen, werden sie mit ihren zwanzig rasiermesserscharfen Krallen
zuerst die Kleidung, dann die Haut und zuletzt das darunter liegende Gewebe
desjenigen aufschlitzen, der versucht, sie von ihren heissgeliebten Blättern
fernzuhalten. Empfehlenswert nur für Masochisten.
gelaunt. Kommst du ihm versehentlich zu nahe, wird er nicht, wie die meisten
anderen Schlangen, das Weite suchen, sondern angreifen. Angreifen bedeutet bei diesem Killer-Reptil, dass er dir blitzschnell mehrmals
hintereinander seine Fangzähne ins Fleisch schlagen und dabei eine grosse Menge
hochgefährlichen Giftes verpassen wird. Die Folgen wären selbst für einen
zwanzig Zentner schweren Ochsen höchst unerfreulich. Ohne medizinische Hilfe
sicher tödlich. Hier nun noch einige Wahrheiten bzw. Unwahrheiten bezüglich
Giftschlangen: Wer durch den australischen Busch wandert, sollte dies nicht in
Sandalen und/oder kurzen Hosen tun. Die australischen Giftschlangen sind auf
Grund ihrer Färbung leicht zu übersehen und liegen in der Regel natürlich
genau unter dem Ast oder Stein, den man gerade aufheben will. Murphys Gesetz.
Also: Vorsicht bei der Feuerholzsuche. Die überwiegende Anzahl der Schlangen
ist eher nicht rauflustig, sie fürchten uns Menschen so, wie wir sie und werden
die Flucht ergreifen, wenn man sich ihnen nähert. Andererseits wollen sie abe
r
weder belästigt noch in die Enge getrieben werden. Gute
Vorsichtsmassnahmen: Auf kein Stückchen Boden setzen, das man vorher nicht gründlich
untersucht hat. Steine, die man nicht zwingend umdrehen muss, dreht man auch
nicht um (warum auch?). Das Abklopfen des den Lagerplatz umgebenden Buschwerkes
mittels eines langen Stockes sowie sonstiges rumlärmen wird verborgene
Schlangen vertreiben. Trotz aller Vorsicht besteht natürlich immer die Gefahr,
Opfer eines Giftschlangenbisses zu werden. Kein Grund zur Panik (und das meine
ich ernst)! Eine Schlange, die zubeisst, wird im Regelfall nur zeigen, was sie
tun könnte, wenn sie wollen würde. Sie ist entgegen anderslautender Meinung
sehr wohl in der Lage zu entscheiden, ob sie beim Biss Gift ausstösst oder
nicht. Bei den ca. 3000 im vergangenen Jahr in Australien gemeldeten
Giftschlangenbissen wurde nur in zehn Prozent der Fälle, also bei 300, Gift
abgesondert. Drei der unglücklichen Opfer starben. Bedeutet: Nur ein Promille
der Giftschlangenattacken enden tödlich. Das sind gute Aussichten,
vorrausgesetzt, man beachtet folgende Verhaltensweisen: Das erweitern des
frischen Schlangenbisses mittels eines Messers und nachfolgende Aussaugen der
Wunde ist nicht nur äusserst
unappetitlich und in unseren aidsbehafteten Zeiten
hochgradig gefährlich, sondern auch noch absolut nutzlos. Es weiss keiner so recht, warum auch in der heutigen
Zeit noch fast jeder an das Märchen glaubt, Schlangengift würde durch die
Blutgefässe weitertransportiert. Im Zuge dieses Aberglaubens werden auch heute
noch Gliedmassen abgebunden, was nicht selten dazu führt, das der arme Tropf,
der gebissen wurde, wenn schon nicht das Leben, so jedoch den Arm oder das Bein
verliert, dessen Blutzirkulation überflüssigerweise abgeschnitten wurde.
Schlangengift wandert durch das menschliche Lymphgefässystem und verteilt sich
im Gewebe. Wichtigste Sofortmassnahme nach einem Schlangenbiss (sobald man das
schreiende, herumtollende Opfer eingefangen und beruhigt hat) ist das anlegen
eines Druckverbandes mittels einer elastischen Binde (gehört im Busch zur
Grundausrüstung) von der Bissstelle bis zum Rumpf (die Enden der Gliedmassen
sind die beliebtesten Bissbereiche). Dies verhindert schnelle Ausbreitung des
Giftes. Das Opfer sollte sich von nun an wenig bis gar nicht bewegen um somit
den Kreislauf so weit wie möglich zu verlangsamen. Danach schnellstmöglicher
Transport zur nächsten medizinischen Einrichtung bzw. herbeiholen ärztlicher
Hilfe. Es ist dringend davon abzuraten zu versuchen, den heimtückischen Attentäter
zu fangen oder zu töten, um die Auswahl des Anti-Serums durch Vorlage des
Reptils zu erleichtern. Das führt in
der Mehrzahl der Fälle
dazu, dass zwei Bissopfer zu beklagen sind. Alle australischen medizinischen
Einrichtungen verfügen über „Venom Detection Kits“, mit denen sich rasch
der Übeltäter bestimmen lässt. Schlangenbisswunden sollten daher auch nicht
aus- oder abgewaschen werden, da die Detection Kits auf Oberflächenreste des
Giftes reagieren. Die dann erfolgende rechtzeitige Verabreichung des Antiserums
bedeutet im Übrigen nicht, dass sofort alles vorbei und überstanden ist. Die
Zeitspanne zwischen Biss und Seruminjektion nutzt das Gift, den Kreislauf und
viele andere wichtige Körperfunktionen zu schwächen bzw. Gewebe zu
zerstören.
Es können viele äusserst unangenehme Wochen vergehen, bis man trotz Einsatzes
des Antiserums vollständig genesen ist. Sicher keine Zeit, die man zu den
wichtigen und gewinnbringenden Erfahrungen seines Lebens zählen möchte.